Verhältnismäßig große Liebe zur Schule

15. Dezember 2004, 18:18
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Heimische Kids bei Schulfreude auf Platz drei - Doch die meisten sind unzufrieden - Mit Kommentar

Die Schule habe bei Österreichs Schülern einen guten Stand, frohlockt Unterrichtsministerin Elisabeth Gehrer (ÖVP). Dabei stützt sie sich auf Ergebnisse einer Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) über das Gesundheitsverhalten 11- bis 15- jähriger Kinder.

Die viele Lebensbereiche - so auch die Schule - umfassende Untersuchung wurde 2001 und 2002 in 35 Staaten (ganz Europa, den USA und Kanada) mit 162.000 Befragten durchgeführt. In Österreich gaben 60,4 Prozent aller elfjährigen Mädchen und 59,8 aller gleichaltrigen Buben an, die Schule "sehr zu mögen" - in anderen Staaten waren es zwischen 25 und 50 Prozent.

Unter den 13-Jährigen rangen sich immerhin noch 25 Prozent der Mädchen und 20,4 Prozent der Buben zu einem Sehr gut für die Schule durch, während zwei Lebensjahre später die Schulfreude insgesamt wieder etwas zugenommen hatte. Dafür hatten sich bei den 15-Jährigen die Geschlechterverhältnisse umgekehrt: 23,7 Prozent der jungen Frauen, aber 27,1 der jungen Männer stellten dem Ort der Wissensvermittlung ein hervorragendes Zeugnis aus.

Bei den Elfjährigen rangiert Österreich in der WHO-Studie auf Platz drei, als Schlusslicht fungiert Finnland - just jenes Land, dem die 31 Staaten umfassende Pisa- Studie der OECD über die Lesekompetenz Jugendlicher das beste Ergebnis ausstellte. Für Gehrer eine Bestätigung, "dass Österreichs Schulen hervorragende Arbeit leisten". Der WHO-Bericht sei auch "ein großes Kompliment an alle Lehrerinnen und Lehrer".

Eine Ansicht, die Martin Netzer, im Unterrichtsministerium für Schulprojekte verantwortlich, im Ländervergleich zwar teilt. Doch: "Man muss sich Gedanken machen, warum bis zu zwei Drittel der Befragten eine negative Antwort gaben."

Auch für die Autoren des Schulkapitels in der WHO-Studie - unter ihnen auch Wolfgang Dür vom Wiener Ludwig-Boltzmann-Institut für Soziologie - spiegeln die Ergebnisse insgesamt einen "ziemlich niedrigen Grad der Zustimmung". Da ein schlechtes Verhältnis zur Schule oft auch zu risikoreichem Gesundheitsverhalten bei Jugendlichen führe, sei dies ein "bedenkliches Resultat". (Irene Brickner/DER STANDARD, Printausgabe, 20.8.2004)

Kommentar:

Schulfrust als Risiko

Von Irene Brickner
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