WWF: Griechenland soll Verantwortung für Schildkröten übernehmen

Redaktion, 25. August 2004 13:56

Unkontrollierter Tourismus bedroht die Unechten Karettschildkröten - Nationalpark fehlt Geld

Wien/Zakynthos - Die Unechten Karettschildkröten (Caretta caretta) sind aufgrund unkontrollierten Tourismus in ihrer Existenz akut bedroht, warnte der WWF am Freitag in einer Aussendung. Heuer sei die finanzielle Unterstützung des griechischen Umweltministeriums für den National Marine Park Zakynthos ausgeblieben, worunter die Artenschutzarbeit vor Ort leide, weil viel zu wenig Kapazitäten für notwendige Schutzmaßnahmen vorhanden seien.

"Der National Marine Park Zakynthos ist einer der letzten Plätze im Mittelmeer, wo die Unechten Karettschildkröten ihre Eier ablegen können", erklärte WWF-Artenschutzexpertin Beate Striebel. Der WWF fordert daher mit einer E-Petition ein sofortiges Eingreifen der griechischen Regierung.

Zakynthos

Feiner weißer Sandstrand, türkisblaues Meer ... die griechische Insel Zakynthos beherbergt aber noch einen ganz anderen außergewöhnlichen Schatz: Die größte Schildkrötenpopulation der Unechten Karettschildkröte im Mittelmeer nistet auf der malerischen Insel. "Derzeit schlüpfen die jungen Schildkröten und gleichzeitig fahren TouristInnen mit ihren Motorbooten ungehindert in die Schutzzone hinein oder spielen Volleyball selbst zwischen gekennzeichneten Nestern", ärgerte sich Striebel.

Die MitarbeiterInnen des National Marine Park Zakynthos, der auch vom WWF und der griechischen NGO Archelon unterstützt wird, haben in den letzten Jahren erfolgreich das Treiben von TouristInnen auf den Schildkröten-Stränden kontrollieren können. Heuer jedoch konnte der Nationalpark seine Aufgaben nicht erfüllen, da die Unterstützung durch die griechische Regierung ausblieb und MitarbeiterInnen über Monate keinen Lohn erhielten. Der WWF fordert, dass die griechische Regierung Verantwortung übernehmen soll.

Illegaler Handel

Neben der Zerstörung des Lebensraumes ist die Schildkröte auch durch den Souvenirhandel bedroht. Unzählige Souvenirs aus bedrohten Arten (geschützt durch das Washingtoner Artenschutzabkommen CITES) werden an den Grenzen beschlagnahmt, darunter auch immer wieder Schildkrötenpanzer und Produkte aus Schildpatt. Jährlich werden 43.000 Schildkröten weltweit illegal gehandelt.

Der WWF fordert daher, dass alle notwendigen Maßnahmen zur Rettung der letzten Unechten Karettschildkröten in Zakynthos ergriffen und dass die CITES-Bestimmungen zum Schutz bedrohter Arten eingehalten werden. (red)

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.