Grasser: Staat soll Sperrminorität behalten

8. September 2004, 14:13
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Für 17-%-Verkauf soll ÖIAG "Abkühlphase an der Börse" abwarten - Nach strategischem Partner schauen

Wien - Nach dem Scheitern des Verkaufs der Telekom Austria (TA) an die Schweizer Swisscom steht Komplettverkauf des österreichischen Telekomkonzerns vorerst nicht mehr zur Diskussion. Finanzminister Karl-Heinz Grasser hat am Freitag erklärt, man müsse "jetzt ein Signal der Sicherheit und Stabilität geben". Daher sollte man "klar machen, dass vorläufig die Republik über die ÖIAG mit 25 Prozent plus einer Aktie an der Telekom Austria beteiligt bleiben sollte", verkündete Grasser im "Ö1 Morgenjournal" des ORF-Radio.

Eine Abkehr vom Privatisierungsauftrag, der eine Privatisierung der Telekom zu bis zu 100 Prozent vorschreibt, sieht Grasser darin "überhaupt nicht". Man müsse nur "sehr, sehr gut überlegen, was man mit den restlichen 25 Prozent plus eins macht. Die sichern jetzt den österreichischen Einfluss", meint er. Dass die Regierung "lieber zu 100 Prozent privatisieren" würde, sei klar. Da müsse man aber "dann sehen, findet man einen geeigneten strategischen Partner oder nicht", so der Finanzminister.

Derzeit noch 42,2 Prozent

Derzeit hält die ÖIAG (ohne Wandelanleihe) noch 42,2 Prozent an der TA. Der nächste Schritt wird laut Grasser vom ÖIAG-Aufsichtsrat entschieden. Der hat wie berichtet noch vor den Verhandlungen mit der Swisscom, bereits beschlossen, dass weitere 17 Prozent der TA über die Börse verkauft werden sollten. Diesen Beschluss will die ÖIAG wie berichtet jetzt wieder aufgreifen, der Zeitpunkt für die Transaktion ist noch unklar. Grasser meint, dass "es zunächst sicher noch eine Abkühlphase brauchen wird, wo die Märkte sich nach dieser Information (gemeint ist das Scheiten des Verkaufs an die Swisscom, Anm.) beruhigen können."

Der Kurs der "Volksaktie" Telekom Austria war gestern, Donnerstag, nach Bekanntwerden des Abbruchs der Gespräche mit der Swisscom binnen weniger Stunden von über 14 auf 11,40 Euro um knapp 20 Prozent eingebrochen. Für Grasser kommt das allerdings "nicht überraschend". In den vergangenen Wochen und Tagen sei "sehr viel Spekulation in der Aktie drinnen" gewesen. Vor dieser Spekulation sei das Papier bei 12 Euro gelegen. Zum ersten Börsegang habe die TA-Aktie außerdem bei 7 bis 8 Euro gelegen - "die vielen Volksaktionäre" dürften daher (trotz des gestrigen Kurseinbruchs, Anm.) in Summe "ein gutes Geschäft gemacht haben - und die Perspektive mit der Telekom Austria ist sicher auch eine positive", meint Grasser.(APA)

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