Projekt "Anna Scott Thomas" - Der geplatze TA-Coup im Detail

8. September 2004, 14:13
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ÖIAG legt Plan für den gescheiterten Deal mit Swisscom offen

Wien - Rund eine Woche lang war darüber heftig spekuliert worden, nach dem Scheitern ist es nun offiziell: Nach Abbruch der Gespräche mit der Swisscom hat ÖIAG-Vorstand Peter Michaelis am Donnerstagnachmittag die Details des Projekts "Anna Scott Thomas" ("Anna" für ÖIAG, "Scott" für Swisscom und "Thomas" für Telekom Austria) offen gelegt.

Die Telekom Austria hätte demnach praktisch zur Gänze an die Schweizer Swisscom verkauft werden sollen. Gebildet werden sollte eine neue "Swisscom Telekom Austria AG", in die die Swisscom vollständig eingebracht worden wäre und in der die Telekom Austria als Tochtergesellschaft mit unverändertem Namen weiter bestanden hätte. Die österreichische Staatsholding ÖIAG hätte sich aber weitgehende Mitsprachrechte an der neuen "Swisscom Telekom Austria" gesichert.

11 Prozent an der neuen gemeinsamen Gesellschaft

Für 25,2 Prozent der Telekom Austria hätte die ÖIAG nämlich 11 Prozent an der neuen gemeinsamen Gesellschaft erhalten, durch einen zusätzlichen Syndikatsvertrag hätte dieser Anteil aber wie eine Sperrminorität - also wie "25 Prozent plus eine Aktie" - an der "Swisscom Telekom Austria AG" gewirkt. Die ÖIAG hätte dabei zwei Telekom-Austria- und zwei Swisscom-Vorstände sowie einen Swisscom-Verwaltungsrat gestellt. Überdies hätte sie auch künftig zwei Aufsichtsräte im TA-Kontrollgremium nominieren dürfen. Headquarter und Kompetenzzentrum für die Osteuropa-Expansion wären damit in Wien gehalten und die österreichischen Arbeitsplätze auf diese Weise gesichert worden, meinte Michaelis.

Nach dem Erwerb des ÖIAG-Viertels hätte die Swisscom ein Übernahmeangebot für die Telekom Austria gelegt. Die ÖIAG hätte dabei - für einen kolportierten Kaufpreis von rund 15,45 Euro je Aktie, den Michaelis indirekt bestätigt - ihren restlichen 17 Prozent-Anteil abgestoßen und in Summe rund 1,3 Mrd. Euro eingenommen. Das Angebot hätte auch den Kleinaktionären gegolten, allerdings mit einem Passus, wonach sich das Angebot auf einen Zeitraum von zwei Jahren samt Verzinsung bezogen hätte - mit der Aussicht, dass die Kleinaktionäre bei einer Kurssteigerung dann auch noch mehr kassieren hätten können.

Dadurch wollte die ÖIAG erreichen, dass genug Anleger ihre Telekom Austria-Anteile behalten. Unterm Strich hätte die Swisscom damit zunächst nur 75 bis 80 Prozent an der Telekom erwerben sollen, der Rest der Telekom hätte zumindest für die nächsten zwei Jahre weiter an der Wiener Börse notiert. Außerdem hätte auch die neue "Swisscom Telekom Austria Gruppe" neben Zürich und New York ein zusätzliches Listing in Wien erhalten, sah das Modell im Hinblick auf den Wiener Börseplatz vor.(APA)

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