Platzhirsche bleiben vorerst allein

8. September 2004, 14:13
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Die meisten geplanten Fusionen ehemaliger nationaler Telekommonopolisten sind in Europa bisher gescheitert

Telekomexperten in den großem Investmentbanken zeigten sich vom Platzen der österreichisch-schweizerischen Telekomfusion kaum überrascht. Zahlreiche ähnliche Zusammenschlüsse sind in den vergangenen Jahren in Europa gescheitert, meist in ähnlichen Szenarien wie in Österreich. 1999 war es der Eheversuch von Deutscher Telekom und Telecom Italia; ein Jahr später scheiterten die spanische Telefónica und die niederländische KPN. Ebenso wenig Erfolg hatte die KPN mit ihrem Nachbarn, der belgischen Belgacom. Auch die schwedische Telia holte sich bei der norwegischen Telenor zweimal eine Abfuhr.

Ausschlaggebend waren meist Rivalitäten zwischen den Topmanagern und politische Aufregung über den "Ausverkauf" eines industriellen Flaggschiffes. Aber auch Analysten fanden selten überzeugende Synergien zwischen ehemaligen Telekommonopolisten mit hohen inländischen Marktanteilen und starken Hindernissen für einen Kosten sparenden Personalabbau.

Telia/Sonera erfolgreich

Das einzige erfolgreiche Beispiel seiner Art war schließlich die Fusion der Telia mit der finnischen Sonera im März 2002. Hier wurden die politischen Hürden rasch übersprungen und in Folge auch die erhofften Ein^sparungseffekte erzielt.

Dennoch erwarten viele Experten, dass es in den kommenden Jahren doch noch zu solchen grenzüberschreitenden Zusammenschlüssen kommen wird. Bei den Mobilfunkbetreibern ist die Globalisierung bereits weit vorangeschritten – vor allem durch die offensive Akquisitionspolitik von Vodafone, dem größten Telekomkonzern der Welt. Auch die Deutsche Telekom hat mit ihrer Tochter T-Mobile eine globale Marke geschaffen, die kaum auf nationale Eifersüchteleien Rücksicht nehmen muss. Heute gibt es weltweit bereits mehr Handynummern als Festnetzanschlüsse, und die Tendenz geht weiter in Richtung mobile Kommunikation.

Damoklesschwert

Aber auch in das angestammte Festnetzgeschäft der Exmonopolisten drängen neue Anbieter – vor allem bei lukrativen Unternehmenskunden. Der Boom bei Breitbandinternetanschlüssen hat zwar den Platzhirschen neue Umsätze verschafft, aber auch den Wettbewerb verschärft. Schließlich hängt die Voice- over-IP-Technologie wie ein Damoklesschwert über der Branche. Wenn es einmal möglich ist, übers Internet zu einem Bruchteil der Kosten Sprachtelefonie zu betreiben, dann droht ein guter Teil des Festnetzgeschäftes wegzubrechen. In einem solchen feindlichen Umfeld könnten sich für manche nationale Platzhirsche Zusammenschlüsse als einziger Rettungsanker erweisen.

Zwei politische Faktoren entscheiden außerdem über das oft sehr unterschiedliche Wohlergehen der verschiedenen Exmonopolisten: einerseits das Ausmaß der Telekomliberalisierung im jeweiligen Land, andererseits die Summen, die einst für die teuren UMTS-Lizenzen an den Staat gezahlt werden mussten. Die – kaum noch privatisierte – Swisscom war hier ein doppelter Nutznießer: Der Schweizer Staat, der sich nicht den Vorgaben aus Brüssel beugen muss, ließ deutlich weniger Wettbewerb zu als etwa die österreichische Regierung, was bei der Swisscom zu höheren Preisen und Gewinnen führte, und die UMTS-Lizenzen waren im Jahr 2000 relativ günstig zu haben.

Das ging zwar auf Kosten der Staatskasse und der Konsumenten, verhalf aber Swisscom-Chef Jens Alder zu seiner milliardenschweren Kriegskasse, die er nun ver^gebens in Österreich auszuleeren versuchte. Denn gerade die große Liquidität missfällt vielen Aktienanalysten und dämpft das Aufwärtspotenzial der Swisscom-Aktie.(Eric Frey, Der Standard, Printausgabe, 20.08.2004)

  • Telekomexperten in den großem Investmentbanken zeigten sich vom Platzen der österreichisch-schweizerischen
Telekomfusion kaum überrascht. Zahlreiche ähnliche
Zusammenschlüsse sind in
den vergangenen Jahren in Europa gescheitert.
    foto: photodisc

    Telekomexperten in den großem Investmentbanken zeigten sich vom Platzen der österreichisch-schweizerischen Telekomfusion kaum überrascht. Zahlreiche ähnliche Zusammenschlüsse sind in den vergangenen Jahren in Europa gescheitert.

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