Option für maßgeschneiderte Brustkrebs-Therapie?

13. Februar 2005, 17:00
posten

Innsbrucker ExpertInnen über neue Technik: Im Blut zirkulierende Tumorzellen bestimmen Prognose

Boston/Wien/Innsbruck - Eine Technik, die auch bei groß angelegten Studien über die Wirksamkeit von Krebs-Impfstoffen des Wiener Biotech-Unternehmens Igeneon eingesetzt wird, kann offenbar Hinweise auf die Bösartigkeit einer Mammakarzinom-Erkrankung geben: Die Bestimmung der Zahl der im Blutstrom zirkulierenden Tumorzellen. Das geht aus einer US-Studie hervor, die in einer Ausgabe des "New England Journal of Medicine" veröffentlicht wurde. Zwei Innsbrucker Experten haben dazu einen Kommentar in der selben Ausgabe der Fachzeitschrift verfasst.

"Wir prüften die Hypothese, dass die Menge der zirkulierenden Tumorzellen das Überleben bei metastasiertem Mammakarzinom vorhersagen kann", schrieben Dr. Massimo Cristofanilli vom Anderson Krebszentrum in Houston (US-Bundesstaat Texas) und die Co-AutorInnen. Die Hypothese liegt darin, dass vermehrte mit dem Blutstrom schwimmende Krebszellen auch auf ein größeres Risiko für die Neuentstehung von Tochtergeschwülsten bzw. auf eine aggressiver verlaufende Erkrankung hindeuten könnten.

Unterschiedliche Überlebensdauer der Krebszellen

Die WissenschafterInnen bestimmten deshalb die Zahl der Tumorzellen im Blut bei 177 Brustkrebspatientinnen. Dies erfolgte vor einem neuen Behandlungszyklus (Chemotherapie) bzw. bei der ersten Kontrolle des Verlaufes der Erkrankung nach der Therapie. Die Hauptergebnisse: Hatten die Frauen fünf oder mehr Krebszellen pro 7,5 Milliliter Blut, vergingen nur 2,7 Monate bis zum Fortschreiten der Erkrankung. Weniger Tumorzellen hingegen waren mit einem Stillstand des Leidens von sieben Monaten verbunden (durchschnittliche Überlebenszeit: 10,1 bzw. 18 Monate). Ähnlich deutlich war der Unterschied bei Messung der Zahl der Tumorzellen in der Behandlungspause: Bei wenigen bösartigen Zellen betrug die durchschnittliche Überlebensdauer mehr als 18 Monate, bei mehr Tumorzellen hingegen 8,2 Monate.

Individuell abgestimmt - vielleicht

Eine mögliche Anwendung dieser Resultate könnte darin liegen, dass man Frauen mit Brustkrebs und vielen Tumorzellen im Blut besonders intensiv behandelt, andere "sanfter". Doch in einem Kommentar zu der Studie äußern sich der Vorstand der Universitätsklinik für Frauenheilkunde in Innsbruck, Univ.-Prof. Dr. Christian Marth, und sein Kollege Dr. Stephan Braun, noch vorsichtig: "Wir müssen zum Beispiel erst wissen, ob eine Veränderung der Art der Behandlung auf der Basis der Zahl der zirkulierenden Tumorzellen allein sich in eine Verbesserung des Zeitraums mit einem Stillstand der Erkrankung umsetzen lässt."

Bereits im Einsatz

Die Technik allerdings wird in der derzeit in Graz, Wien und Salzburg ablaufenden Wirksamkeitsstudie (Phase III) des Igeneon Krebsvakzins IGN101 mit 600 Brustkrebspatientinnen bereits eingesetzt. Das Vakzin soll Mikrometastasen bzw. "schlafende Krebszellen" bekämpfen helfen. Die WissenschafterInnen unter Univ.-Prof. Dr. Michael Gnant von der Universitätsklinik für Chirurgie in Wien untersuchen dabei auch, ob im Blut bzw. im Knochenmark der mit IGN101 Geimpften seltener oder weniger Tumorzellen festgestellt werden können. Solche bösartigen Zellen sind bei Patientinnen mit Brustkrebs und einem hohen Rückfallrisiko bei 20 bis 25 Prozent im Blut und bei bis zu 30 Prozent im Knochenmark nachweisbar. Diese Werte könnten allerdings einen "Surrogat-Parameter" für den Zustand der Patientinnen bzw. den Effekt des Impfstoffs darstellen. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar
    Grafik
    Brustkrebs in Österreich
Share if you care.