SPÖ bittet zu rundem Tisch

17. September 2004, 11:48
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Homosexuellen-Ehe mit "aufgeschlossenen ÖVP-Aktivisten" diskutieren

Wien - Wieder ein runder Tisch: Diesmal mit der SPÖ als Gastgeberin. Als Tischgespräch steht die Homosexuellen-Ehe am Programm. Anfang September sollen, so der Wunsch des Vorsitzenden der SP-Homosexuelleninitiative, Günter Tolar, Homosexuellenorganisationen, Grüne und "aufgeschlossene ÖVP-Aktivisten" über die rechtliche Absicherung lesbischer und schwuler Paare diskutieren. Für die Grünen hat Ulrike Lunacek schon zugesagt.

Die FPÖ wird in Tolars Einladungsliste nicht explizit erwähnt. Bis auf Infrastrukturstaatssekretär Eduard Mainoni, der im STANDARD-Interview für die volle Gleichstellung mit heterosexuellen Paaren eingetreten ist, finden sich in der FPÖ keine Unterstützer.

"Klassische Familie"

Barbara Rosenkranz etwa will es klassisch: Die freiheitliche Familiensprecherin warnte am Mittwoch davor, vom "klassischen Familienbild" abzugehen. "Es kann keine Rede von Diskriminierung sein, wenn Ungleiches unterschiedlich behandelt wird", meinte die niederösterreichische FP-Chefin.

Auch für FP-Klubobmann Herbert Scheibner ist die von Vertretern der steirischen ÖVP losgetretene Debatte um die Gleichstellung von homosexuellen Partnerschaften mit heterosexuellen nicht mehr als "ein absolutes Sommerthema". Er wolle sich lieber mit "wirklich brennenden Themen" wie Pensionsharmonisierung beschäftigen. Jede Diskriminierung sei abzulehnen, aber die Ehe solle Mann und Frau vorbehalten bleiben. Probleme wie das Besuchsrecht in Spitälern oder Benachteiligungen im Miet- und Erbrecht seien sicher lösbar, ohne von Ehe zu reden.

Ehe und Familie "im Vordergrund" halten will auch der steirische VP-Landesrat Hermann Schützenhöfer, aber man dürfe sie nicht allein "in göttlichem Schiedsspruch festhalten", sondern müsse auch andere Lebensformen anerkennen. VP-Landesgeschäftsführer Andreas Schnider meinte im Kurier, auch homosexuelle Paare hätten ein Recht auf Adoption.

Die Österreichische Plattform für Alleinerziehende nahm indes VP-Abgeordneten Vinzenz Liechtenstein beim Wort, der Hilfe für Alleinerziehende für wichtiger hält als die Homosexuellen-Ehe: Die ÖVP solle doch endlich für flächendeckende Kinderbetreuung sorgen. (nim/DER STANDARD, Printausgabe 19.08.2004)

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