"30 Krügerl im Schatten? Das stimmt so nicht!"

8. September 2004, 13:13
posten

Schweizerhaus-Chef Karl Kolarik konstatiert im STANDARD-Gespräch einen Wandel im Verhalten der österreichischen Konsumenten: Absatzschübe bringen Billigaktionen, nicht das heiße Wetter dieser Tage

STANDARD: Schönes Wetter heute - da muss ja das Geschäft in einem Biergarten wie dem Schweizerhaus hervorragend laufen?

Kolarik: Die Temperaturen sind schon wieder kontraproduktiv - wir erwarten dieser Tage immer über 30 Grad. Heuer ist es bis zum Juni deutlich schlechter gelaufen, da war einfach das Wetter zu kühl. Das hat die ganze Gastronomie gespürt, außer ein paar Innenstadtlokale.

STANDARD: Für das Biergeschäft sind die berühmten "30 Krügerl im Schatten" also ähnlich schlecht wie Schlechtwetter?

Kolarik: 30 Krügerl im Schatten? Das stimmt eben so nicht! Je heißer es wird, desto schlechter ist das für die Gastronomie - zwischen 27 Grad, wo die Gäste Lust auf ein Bier haben und 30 Grad, wo sie schon eher matt werden, da liegen Welten dazwischen. Da verlagert sich das Biertrinken eher in den Heimkonsum.

STANDARD: Die Bierfreunde kaufen dann also eher das Bier im Supermarkt?

Kolarik: Wenn's so heiß ist, stellt man sich das Bier in den Kühlschrank und geht nicht aus. Dazu muss man wissen: Es sind im Handel die Billigaktionen, wo derzeit das Bier hinfließt - wenn man sich die Steigerungen beim Dosenbier ansieht, weiß man, wohin die Entwicklung geht.

STANDARD: Da gibt's aber keinen Biergarten und keine Stelzen dazu . . .

Kolarik: Das ist unser Standort- und Wettbewerbsvorteil.

STANDARD: Dabei gibt es immer wieder Legenden, die besagen, dass das Schweizerhaus "an die Amerikaner verkauft" würde, "ein McDonald's" würde oder dass bei Ihnen das Bier entweder mit Wasser verdünnt oder mit Luft gezapft würde.

Kolarik: Bitte, es gibt immer wieder Legenden - der vom Verkauf sind wir vor einigen Jahren entgegengetreten, aber da ist es eh still geworden. Die Luftgeschichte kommt daher, dass früher tatsächlich in vielen Lokalen mit sehr schlechter, verrauchter und verkeimter Luft gezapft wurde. Das ist bei uns nicht der Fall - wir haben aber sehr wohl eine Zapftechnik, bei der viel Kohlensäure in den Schaum und weniger ins Bier kommt - damit ist es bekömmlicher und leichter zu trinken. (Conrad Seidl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.8.2004)

Zur Person

Karl Kolarik ist Eigentümer des Getränkeimports Kolarik & Buben und des Schweizerhauses, das als größter Biergarten Österreichs gilt
Share if you care.