Die Suche nach dem "richtigen" Budweiser

8. September 2004, 13:13
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Das ältere Markenrecht liegt in den USA

Als die Zwettler Brauerei im Juli gute Kunden auf eine Studienreise nach Irland mitnahm, fanden viele der österreichischen Bierfreunde in den Pubs der Insel ein vertraut klingendes Bier: Budweiser. Beim Verkosten aber bemerkten sie: Das, was in Irland und vielen anderen Ländern unter dem Namen "Budweiser" ausgeschenkt wird, hat wenig mit dem zu tun, was man zwischen Ceské Budejovice und dem Schweizerhaus unter demselben Namen kennt.

Tatsächlich ist das wesentlich hellere, wesentlich schlankere, kaum bittere und mit einem leicht angedeuteten Apfelton ausgezeichnete Bier des amerikanischen Brauereikonzerns Anheuser Busch (mitsamt der aus "Bud Light", "Bud Dry" und "Bud Ice" bestehenden Markenfamilie) das erfolgreichste Markenbier der Welt - und der Anspruch auf den Markennamen wurde auch in den meisten Ländern der Welt durchgesetzt.

Rechtsstreit

Im Rechtsstreit hat der US-Konzern dafür gute Karten: "Conrad's Original Budweiser Beer" war seit 1876 eine Handelsmarke in St. Louis; der auf "Budweiser" gekürzte Name wurde nach der Pleite des Getränkehändlers Carl Conrad am 24. Jänner 1883 an Anheuser Busch übertragen und markenrechtlich geschützt. Die Zuwächse bei dem als "King of Beer" vermarkteten Produkt sind enorm: Allein in den ersten sechs Monaten 2004 stiegen die Bierverkäufe von Anheuser Busch auf den internationalen Märkten um 6,4 Prozent.

Die heute staatliche Budweiser Brauerei in der Tschechischen Republik ist mit ihrem Wachstum auf die wenigen angestammten Märkte in Europa beschränkt: Die Brauerei in Ceské Budejovice (zu Zeiten der k. u. k. Monarchie: Budweis) wurde nämlich erst auf einer Versammlung tschechischer Nationalisten am 21. Jänner 1894 gegründet - und die hatten damals nicht den Weltmarkt im Auge, sondern wollten vor allem ein Gegengewicht zur wirtschaftlichen Übermacht der deutschsprachigen Minderheit in Budweis schaffen. Markenrechtlichen Schutz genießt das Budweiser aus Budweis daher vor allem in Tschechien, Österreich und Deutschland. (Conrad Seidl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.8.2004)

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