Alle hundert Jahre gerne

27. September 2004, 14:00
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Und erst der Auftritt von Franz Beckenbauer, der sich mit einer gewissen Herablassung gegen Cordoba-Demütigungen wehrte - köstlich!

Seit uns Premiere vom österreichischen Fußball und seinen ORF-Reportern befreit hat, ist unser Magengeschwür kleiner geworden. Das heißt nicht, dass wir den ORF sportfrei sehen möchten. So alle vier Olympia-Jahre hält man die überhitzte Sprache, mit der man versucht, die Sportwirklichkeit dem Patriotismus anzupassen, schon aus.

Und auch wenn es alle hundert Jahre um eine Feier der Vergangenheit geht, sind von der Kombination ORF plus heimische Kicker gute Dienste zu erwarten. Also 100 Jahre ÖFB im TV als Staatsoperngala - warum nicht? Man bildet die Veranstaltung - mit dem ORF-Sport-Talent für unfreiwillige Komik - einfach ab und lässt die Bilder selbst dieses Großereignis kommentieren. Den Rest besorgen die Sportler. So war es nur zu objektiv, die nicht unbeträchtliche Anzahl leerer Staatsopernplätze zu zeigen. Und auch der Auftritt von Barde Helmut Lotti verdeutlichte, dass die Begeisterung renommierter Künstler, bei dem Event zu erscheinen, im Vorfeld eine gewisse Dämpfung erfahren haben muss.

Und erst der Auftritt von Franz Beckenbauer, der sich mit einer gewissen Herablassung gegen Cordoba-Demütigungen wehrte - köstlich! Schließlich Schneckerl Prohaska selbst, der gewählte Jahrhundertfußballer. Gerührt zählte er auf, was er im Laufe seiner Karriere international nicht erreicht hat (nämlich fast alles). Und als er meinte, mit diesem sicherlich sehr bedeutenden Preis sei für ihn ein Traum in Erfüllung gegangen, da ähnelte er schon sehr einem entrückten ORF-Fußballreporter. (tos/DER STANDARD; Printausgabe, 19.8.2004)

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    Herbert Prohaska und Franz Beckenbauer

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