Kopf des Tages: Swisscom-Chef Jens Alder

8. September 2004, 14:11
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Drahtiger Appenzeller sitzt auf Milliarden

Jens Alder ist ein viel zu schlauer Mann, als dass er sich in Sachen Telekom Austria jemals aus der Reserve locken lassen würde. Wann immer er danach gefragt wird, setzt er sein spitzbübisches Lächeln auf, hebt an zu einem kleinen Referat über den osteuropäischen Markt und die Zukunft der Telekommunikation und sagt dabei im Wesentlichen Folgendes: "Ja, wir haben Interesse. Die TA wäre eine sinnvolle Akquisition, aber der Widerstand in Österreich ist noch zu groß."

Der 47-jährige gebürtige Appenzeller geizt nie mit Worten. Im Gegensatz zu vielen anderen Schweizer Managern ist der drahtige Mann mit dem Bürstenhaarschnitt rhetorisch versiert, ein witziger, schlagfertiger Gesprächspartner, der oft schneller antwortet, als die Journalisten fragen können. Neben einem fast akzentfreien Hochdeutsch spricht er fließend Englisch und Französisch.

Startvorteil

Über die Jahre ist der Zögling des Engadiner Nobelinternats Lyceum Alpinum noch ruhiger und selbstbewusster geworden. Schließlich leitet er seit 1999 eines der profitabelsten europäischen Unternehmen, das als ehemaliger Monopolist einen erheblichen Startvorteil gegenüber der Konkurrenz, andererseits aber auch großes Glück hatte: Über die damalige Tochter Debitel wollte auch Swisscom eine der begehrten UMTS-Lizenzen in Deutschland ergattern.

Da dies nicht gelang, sparte sich der Konzern jene zwölf Milliarden, die er jetzt auf dem Konto hat, um im Ausland groß einkaufen zu können; schließlich sind die Wachstumsmöglichkeiten im Heimmarkt längst ausgereizt. In der Schweiz ist die Swisscom unbestrittener Primus im Festnetz und bei der Mobiltelefonie. Zwei Drittel der eidgenössischen Handy-User telefonieren mit der Swisscom. Der Telekomwettbewerb verläuft weitaus geruhsamer als in Österreich, ja manchmal scheint es, als gebe es ihn gar nicht, was die Preise auf europaweitem Rekordniveau hält.

Kein Wunder, dass die telefonierende Bevölkerung auf Alder nicht gut zu sprechen ist. Dieser schafft aber einen bewundernswerten Spagat: Einerseits zementiert er mit seinen Handlungen den Wettbewerbsvorteil des Zwei-Drittel-Staatsunternehmens ein, andererseits wettert er laufend über die staatlichen Regulierer und die Fesseln, die man ihm anlege. Den Widerspruch mag er im Stillen erkennen; wird er darauf hingewiesen, reagiert er beleidigt.

Mitarbeiter-Abbau

Unbeliebt hat sich Alder auch durch eine andere Übung gemacht: Auf Ertragssteigerung bedacht, kürzte er die Swisscom-Belegschaft in den vergangenen Jahren um Tausende Mitarbeiter. Wie man das macht, hatte der verheiratete Familienvater zu Beginn seiner Karriere bei maroden Firmen wie Motor-Columbus und Alcatel gelernt, bevor er 1998 ins Topmanagement der Swisscom wechselte. (Thomas Kirchner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.8.2004)

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    Jens Alder leitet seit 1999 die Swisscom.

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