"King Arthur": Söldner ohne Furcht und Tadel

26. März 2005, 22:51
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Antoine Fuquas "King Arthur", das jüngste Historienepos aus Hollywood, sucht nach der Wahrheit hinter der Legende...

... – und will dennoch den Erfordernissen eines Blockbusters gerecht werden.


Wien – Kein heiliger Gral, kein prachtvolles Camelot – und Merlin ist auch kein Magier, sondern ein weiser Krieger mit blauen Lippen. King Arthur, die jüngste von Erfolgsproduzent Jerry Bruckheimer lancierte Filmadaption des Epos um die Ritter der Tafelrunde verzichtet auf jegliches mythenschwere Beiwerk. Der "unique selling point" des Blockbusters, der eine neue Sichtweise auf den Sagenheld garantieren soll, ist dessen historischer Hintergrund.

Verantwortlich für diese Neukonzeption ist Drehbuchautor David Franzoni, seit Gladiator Hollywoods Spezialist für antike Helden mit zeitgemäßen Anliegen. Er macht aus Arthur (Clive Owen) und seinen Rittern zuallererst einen Söldnertrupp sarmatischer Herkunft, den die Römer in ihr Heer integrieren, um ihre Interessen in Britannien zu verteidigen. Keine edlen Heroen also, sondern praktisch veranlagte Krieger.

"Diese Ritter glichen mehr den Hell's Angels, das waren Tiere", präzisiert Franzoni gegenüber dem STANDARD. "Das hat mich an der Rehistorisierung des Stoffes auch so interessiert: Wie diese sarmatischen Killer während ihrer Mission zu sich selbst finden. Zu Beginn ist es ein wenig wie in Vietnam: Die Ritter als GIs, als Fremde in einem fremden Land, in dem sie gehasst werden. Mit einem Anführer, der zwar einen Sinn dafür hat, was sich im größeren Maßstab abspielt – aber keinen sehr ausgeprägten."

King Arthur beschreibt den Wandel des Helden vom untertänigen Soldaten zum rebellischen König. Es ist die alte Geschichte der allerletzten Mission. Noch einmal wird den Rittern ein Himmelfahrtskommando übertragen, wenn sie auf eine Rettungsmission geschickt werden, die sie der Überzahl der heranrückenden Sachsen ausliefert.

Arthur, der gern Pelagius zitiert, auf Freiheit und Gleichheit beharrt, glaubt noch an die römische Idee, emanzipiert sich aber davon, um sich gemeinsam mit Merlins Gefolge – darunter Tochter Guinevere (Keira Knightley) – den Feinden entgegenzustellen und so den ersten Schritt zum autonomen Königreich zu tun.

Wie alle Monumentalfilme – und da sind die jüngsten Historienepen keine Ausnahme – kreist somit auch King Arthur um eine Zeitenwende. Der Dekadenz der einen Kultur (hier die Römer) steht das Barbarentum der anderen (hier die Sachsen) gegenüber – und eine dritte vermag sich als neue, vergleichsweise moderne von beiden abzusetzen. Amerika ist immer die nahe liegende Analogie.

Spiegel für Amerika

Franzoni selbst sucht in allen seinen historischen Stoffen – derzeit arbeitet er an einer Hannibal-Version – die Brücke zur Gegenwart: "Für mich sind die Filme eine Möglichkeit, Amerika den Spiegel vorzuhalten. Bei Gladiator ist es offensichtlich: Es geht um die Involvierung in den Medienkomplex, um die Abtrennung von der Welt, die uns umgibt. King Arthur ist dafür eine Auseinandersetzung mit Vietnam oder auch dem Irak – nur dass sich Arthur einer Wahrheit des Staates, wie es die USA mit dem Patriot-Act versucht, letztlich entzieht."

"Beverly-Hills-style-Humanismus", nannte die New Yorker Village Voice diese Aspekte des Films gar nicht einmal so verächtlich. In einem Blockbuster darf es jedoch auch nicht an Schauwerten mangeln, die hier vor allem über aufwändige Schlachtenszenen eingelöst werden. Für den afroamerikanischen Regisseur Antoine Fuqua (Training Day), der erstmals in dieser Größenordnung drehte, stellten sie die größte Herausforderung dar – eine der eindrücklichsten spielt auf Eis:

"Es gibt eigentlich keine Möglichkeit, eine solche Szene real zu gestalten", meint Fuqua, "Man kann unter Wasser drehen, die einzelnen Kampfmomente, das zerbrechende Eis. Am Ende muss man alles zusammenfügen, die einzelnen Layers übereinander schichten. Das geht dann nur mit dem Computer."

Schmutzgesichter

Dennoch kommt King Arthur im Unterschied zu Troy weit gehend ohne computeranimierte Szenen aus. Dem historisierenden Gestus wird über Blau- und Grüntöne entsprochen, nebelverhangene Landschaften, schmutzverkrustete Gesichter, ein Lederbikini oder auch der Zopfbart des "Sachsen" Till Schweiger bürgen für Authentizität.

Delacroix-Bilder hätten ihn bei der visuellen Gestaltung inspiriert, so Fuqua: "Ich wollte eine Welt schaffen, die dunkel, grausam, ja hässlich ist, zugleich aber auch wieder eine unbestimmte Schönheit hat. Der Film sollte wie ein Gemälde über einen Krieg aussehen, dessen Details sehr drastisch sind; tritt man jedoch zurück, wird es hübsch."

Bei der Milderung der Gewalt hat auch die Entscheidung nachgeholfen, den Film für Jugendliche ab 13 ins Kino zu bringen. "Jetzt sieht man Leute glorreich sterben – wie in einem dieser alten Ronald- Reagan-Filme", ärgert sich Franzoni. Explizite Kampfszenen wie das Abtrennen von Köpfen mussten wieder herausgeschnitten werden, wodurch King Arthur bei aller propagierten Aktualisierung etwas blutleer geworden ist – und so einiges an Wucht einbüßt. Ein Tribut an die Gegenwart: Nach den TV-Bildern aus dem Irak wollte man solche Bilder den Zuschauern nicht mehr zumuten. (DER STANDARD, Printausgabe, 18.8.2004)

Von
Dominik Kamalzadeh

"King Arthur"
(Offizielle Website)

Ab Donnerstag (19.8.) im Kino.
  • Keira Knightley als Guinevere, Tochter Merlins
    foto: screenshot kingarthur.movies.go.com

    Keira Knightley als Guinevere, Tochter Merlins

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