Auflagen sinken, aber das Anzeigengeschäft erholt sich

14. September 2004, 19:54
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"World Press Trends" vom Weltverband der Zeitungen veröffentlicht - Kleinformat, Gratiszeitungen und Suche nach jungen Lesern

Gute Nachrichten weiß der Weltverband der Zeitungen (WAN) zu verkünden: Das Anzeigengeschäft zieht nach Jahren der konjunkturellen Flaute endlich wieder an. Leider hat der soeben veröffentliche Bericht "World Press Trends" 2004 aber auch eine weniger gute Nachricht auf Lager, zeigen doch die Auflagenzahlen rückläufige Tendenzen. Immerhin: Über eine Milliarde Menschen greifen weltweit täglich zu einer Zeitung. Für den aktuellen Bericht hat der WAN Daten aus 208 Ländern - von Afghanistan bis Simbabwe - gesammelt.

Mehr Bereitschaft zu Investitionen

Um zwei Prozent sind die Anzeigenerlöse im Vorjahr weltweit gestiegen, bis 2006 rechnen die Trendforscher mit weiteren Steigerungen. Umgekehrt sind die Auflagen 2003 um 0,12 Prozent gesunken. "Der Auflagenrückgang hat sich zwar fortgesetzt, aber die Zeitungsverlage haben mehr Bereitschaft denn je zu Innovationen und neuen Konzepten zur Steigerung der Leserzahlen gezeigt", zollt WAN-Generaldirektor Timothy Balding den Verlegern dennoch Lob. Als Beispiel nannte er unter anderem den den Trend zum Kleinformat bei traditionell großformatigen Blättern, der im vergangenen Jahr auch in zahlreichen europäischen Ländern Fuß fasste.

Beruhigend für die Welt-Zeitungsbranche ist wohl auch (noch) ein Langfristvergleich seit 1999, der in diesem Zeitraum ein Auflagenwachstum um 4,75 Prozent ausweist. Der jungen Zielgruppe, die es als Zeitungsleser zu gewinnen gilt, widmet der Weltverband übrigens besonderes Augenmerk. Anhand einer Studie sollen Redaktionskonzepte entwickelt werden, mit denen junge Leute zur Tageszeitung gebracht werden, wird im aktuellen Newsletter angekündigt.

Gratiszeitungen auf dem Vormarsch

Deutlich auf dem Vormarsch sind laut WAN Gratiszeitungen, deren Zahl sich von 2002 auf 2003 um 16 Prozent und seit 1999 um 24 Prozent gesteigert habe. Wenig überraschend sind die satten Zuwachsraten bei den Online-Lesern: Seit 1999 hat sich ihre Zahl um 350 Prozent erhöht. Die Zahl der Zeitungs-Webseiten hat sich in dieser Zeit verdoppelt.

Nicht nur harte Fakten, sondern auch Kurioses bringen die "World Press Trends" zu Tage: Im Senegal zum Beispiel kostet eine Zeitung genau so viel wie ein Kilo Reis. 60 Prozent der Leser borgen sich daher eine Zeitung aus, anstatt sie zu kaufen. Und obwohl in Afghanistan nur 20 Prozent der Bevölkerung alphabetisiert sind, wurden dort im Jahr 2002 rund 265 Zeitungen herausgegeben - 150 davon in der Hauptstadt Kabul. (APA)

Details zum Bericht "World Press Trends" 2004 sind im Internet unter www.wan-press.org zu finden.
  • Artikelbild
    foto: epa/reynolds
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