Gewinne höher als erwartet

8. September 2004, 13:11
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EBIT der OMV legte um 44 Prozent auf 464 Millionen Euro zu - Ausblick: Ergebnis 2004 über 2003 - Petrom-Deal bringt mittelfristig signifikante Ergebnis-Verbesserung

Wien - Höhere Produktionsmengen und Ölpreise, bessere Margen sowie Erlöse aus dem Verkauf von Explorationsaktivitäten haben die Ergebnisse des österreichischen Öl- und Gaskonzerns OMV im 1. Halbjahr 2004 unerwartet stark klettern lassen.

Über Erwartungen der Analysten

Der Betriebserfolg (EBIT reported) legte im Periodenvergleich um 44 Prozent auf 464 Mio. Euro zu, von der APA befragte Analysten hatten im Mittel einen Anstieg um 36 Prozent auf 438 Mio. Euro erwartet. Bereinigt um Sonderfaktoren stieg das EBIT (clean) um 11 Prozent auf 378 Mio. Euro, wie die OMV Dienstagfrüh vor ihrer Halbjahres-PK bekannt gab. Hier war Sim chnitt ein Plus von lediglich 2 Prozent auf 348 Mio. Euro prognostiziert worden.

Das Ergebnis vor Steuern (EGT) erhöhte sich um 57 Prozent auf 473 Mio. Euro, erwartet worden war ein Zuwachs von 49 Prozent auf 449 Mio. Euro. Der Periodenüberschuss (Nettogewinn) kletterte im 1. Halbjahr um 62 Prozent auf 315 Mio. Euro.

Umsatz um 28 Prozent gesteigert

Der Umsatz (ohne Mineralölsteuer) des größten heimischen börsennotierten Industrieunternehmens vergrößerte sich um 28 Prozent auf 4,462 Mrd. Euro, der Cash flow verringerte sich um 4 Prozent auf 491 Mio. Euro, der Verschuldungsgrad (Gearing Ratio) sank seit Ende 2003 von 40 auf 29 Prozent, und der Mitarbeiterstand blieb im Jahresabstand mit 6.154 (6.198) fast unverändert.

2004 sollte das Jahresergebnis 2003 übertroffen werden, so die OMV am Dienstag im Ausblick. Das Ergebnis der ersten sechs Monate deute auf ein sehr gutes Jahresergebnis hin, sagte OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer, auch wenn das zweite Halbjahr 2004 "nicht so fulminant" wie das erste ausfallen werde.

Im zweiten Quartal deutlich zugelegt

Deutlich zulegen konnte die OMV vor allem vom 1. zum 2. Quartal 2004. So betrug das berichtete EBIT (reported) im 2. Quartal bereits 316 Mio. Euro, im gesamten Halbjahr 464 Mio. Euro. Bereinigt um Sondereffekte (clean) betrug der Betriebserfolg im 2. Quartal 237 Mio. Euro gegenüber 378 Mio. Euro im Halbjahr. Beim Nettogewinn (Periodenüberschuss) resultierten von den 315 Mio. Euro im Erstsemester zwei Drittel aus dem 2. Quartal (210 Mio. Euro).

Im Hauptgeschäftsbereich R&M (Raffinerien und Marketing inkl. Petrochemie) legte der Umsatz im 1. Halbjahr im Periodenvergleich um 43 Prozent auf 3,67 Mrd. Euro zu, vor allem wegen höherer Verkaufsmengen durch den Erwerb von Tankstellen sowie höherer Raffineriekapazitäten und Marketing-Aktivitäten. Das Bereichs-EBIT stieg um 15 Prozent auf 153,8 Mio. Euro; neben den höheren Mengen trugen dazu deutlich bessere Raffineriemargen bei: Die Rotterdamer Referenzmarge stieg im Periodenvergleich auf 3,57 (3,14) Dollar/bbl. Die Petrochemie setzte mehr um, durch niedrige Margen sank der EBIT-Beitrag aber auf 39 Mio. Euro.

Tankstellennetz vergrößert

Die OMV-Raffinerieverkaufsmengen stiegen auf 8,21 (5,71) Mio. t. Im Raffinerieinsatz von 8,48 Mio. t sind 2,58 Mio. t aus der Bayernoil-Beteiligung enthalten, wie das Unternehmen am Dienstag weiter bekannt gab. Ausgelastet waren die Raffinerien zu 89 Prozent. Der Marketing-Absatz wuchs um 34 Prozent auf 5,38 (3,98) Mio. t. Ihr Tankstellennetz vergrößerte die OMV auf 1.784 Stationen (nach 1.377 Mitte 2003), davon 620 in Österreich und 1.164 im Ausland. Damit liegen 65 Prozent der Stationen im Ausland. Ihren Marktanteil im Donauraum erhöhte die OMV auf rund 14 Prozent.

Mit dem mehrheitlichen Petrom-Erwerb (51 Prozent) in Rumänien für etwa 1,4 bis 1,5 Mrd. Euro, der bis kurz vor Jahresende abgeschlossen sein soll und daher heuer nur gering ergebniswirksam wird, soll sich der Marktanteil in der Region auf 18 Prozent erhöhen. Mit dem am 23. Juli in Bukarest besiegelten Milliarden-Investment wächst das Tankstellen-Netz mit einem Schlag auf mehr als 2.380. Die Öl- und Gasproduktion des Konzerns verdreifacht sich beinahe, und die gesicherten Öl- und Gasreserven steigen sogar auf mehr als das Dreifache.

Mittelfristig werde der Zukauf eine signifikante Ergebnissteigerung bringen, bekräftigte Ruttenstorfer. Konkrete Vorhersagen wolle man dazu jedoch öffentlich keine machen. Gleichzeitig sagte der OMV-Chef, dass die Integration der Petrom - mit rund 57.000 Mitarbeitern - eine zentrale Aufgabe für die nächsten Jahre sein werde.

Erste Gespräche mit Petrom-Gewerkschaften geführt

Mit den rumänischen Gewerkschaften habe man bereits erste Gespräche geführt. Deren Vertretern sei klar, dass das Thema unter anderem Effizienzsteigerung heiße. Schon im Vorfeld des am 23. Juli fixierten Mega-Deals war von Beobachtern gemutmaßt worden, dass die OMV, die selbst 6.154 Mitarbeiter zählt, bei der Petrom mit rund 57.000 Beschäftigten einen starken Abbau vornehmen muss. Dabei wurde ein Personalüberhang von bis zu 30.000 Mitarbeitern kolportiert.

Details zur Restrukturierung der Petrom wird die OMV freilich nicht in der Öffentlichkeit kundtun, wie Ruttenstorfer am Dienstag klar stellte. Allerdings werde es anlässlich des Closing, das im 4. Quartal erfolgen soll, weitere Globalinformationen geben. Ein Personalabbau müsse nicht über Nacht erfolgen: Schließlich würden die Löhne in Rumänien nur einem Zehntel des westlichen Niveaus entsprechen, hatte der OMV-Chef Ende Juli erklärt.

Kapitalerhöhung nicht nötig, aber auch nicht ausgeschlossen

Zur Finanzierung des Petrom-Erwerbs bekräftigte OMV-Finanzvorstand David Davies am Dienstag, dass die OMV in dem Zusammenhang eine weitere Kapitalerhöhung nicht ausschließe, "nötig ist sie aber nicht". Selbst wenn der Deal zur Gänze fremdfinanziert werde, würde der Verschuldungsgrad (Gearing) nur auf 38 oder 39 Prozent steigen, so Davies. Von Ende 2003 bis Mitte 2004 hat die OMV wie berichtet die Nettoverschuldung gemessen am Eigenkapital von 40 auf 29 Prozent gesenkt. Das Langfrist-Ziel lautet auf 30 Prozent, erinnerte Davies.

Die Staatsholding ÖIAG, mit 35 Prozent größter OMV-Aktionär, hatte im Juli erklärt, dass sie sich an einer Kapitalerhöhung bei Österreichs größtem Mineralölkonzern durchaus beteiligen könnte. Die OMV-Hauptversammlung hatte im Mai eine Ermächtigung zu einer Erweiterung des Kapitalrahmens um bis zu 8 Mio. neue Aktien (inklusive laufender Wandelanleihen) bis Mitte 2009 ausgedehnt.

Förderziele angehoben

Durch den Petrom-Erwerb wird sich die tägliche Fördermenge des OMV-Konzerns auf 340.000 Fass Öl, Gas und NGL erhöhen - davon 220.000 bei Petrom und aktuell 129.000 bei der OMV. Deshalb hat die OMV ihr Mittelfrist-Ziel für das Jahr 2008 auf nunmehr 350.000 Fass Öl-Äquivalent im Tag angehoben, wie am Dienstag erklärt wurde. Noch vor einem Jahr lautete die Zielmarke für 2008 auf 160.000 boe/Tag, doppelt so viel wie Anfang 2002. Gegenüber den 76.000 bis 77.000 boe/d von 2001 stelle das neue Ziel für 2008 sogar eine Vervierfachung dar, wie Roiss sagte. Damit wird die OMV den Eigendeckungsgrad in ihren Raffinerien von derzeit 35 Prozent auf zwei Drittel verdoppeln können. Mit Petrom werden die OMV-Raffineriekapazitäten von 18,4 auf 26,4 Mio. t pro Jahr steigen.

Außerdem gewinnt der österreichische Konzern durch die Petrom-Mehrheit den Zugang zu riesigen Ölvorräten nicht nur in Rumänien, sondern auch in Kasachstan und im Schwarzen Meer. Die gesicherten Öl- und Gasreserven der Petrom betragen 1 Mrd. boe, jene der OMV liegen bei nur 410 Mio. boe. Bei dieser Milliarde handle es sich nicht um Reserven im klassischen Sinn, sondern lediglich um das kumulierte Volumen der bis zum Jahr 2034 laufenden Petrom-Lizenzen, gerechnet ab dem Jahr 2005, und dies "auf sehr konservativer Basis bewertet", wie E&P-Vorstandsdirektor Helmut Langanger am Dienstag sagte: Bei der geplanten Neubewertung, die man ab 2005 Feld für Feld vornehmen werde, "werden wir keine Überraschungen erleben".

Rompetrol-Anteil könnte verkauft werden

Was mit der 25,1-Prozent-Beteiligung der OMV an der rumänischen Rompetrol passiert, wird nicht nur von der kartellrechtlichen Prüfung des Petrom-Erwerbs abhängen. "Falls die Wettbewerbsbehörde uns auffordert, sind wir natürlich bereit, unseren Rompetrol-Anteil zu verkaufen", hatte Ruttenstorfer schon in Bukarest bei Unterzeichnung des Petrom-Deals erklärt. "Wenn wir nicht verkaufen müssen, werden wir entscheiden was wir tun", meinte der OMV-Chef heute. (APA)

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    OMV-Bilanz 1. Halbjahr 2004

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