Expeditionsteilnehmer wissen: Wer ORF hat, hat's gut

18. Oktober 2004, 09:39
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"Wen interessiert das noch?" - Kulturprogramme wie "Gräfin Mariza" schaffen die selbe Quote wie die "Expedition"

Trotzdem ihm Schleichwerbung verboten ist, weiß der ORF seine Sponsoren werbewirksam zu platzieren. So auch bei "Expedition Österreich". Die Frage ist nur: Interessiert das Format überhaupt noch jemanden?

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Immer weiter ostwärts bewegen sich die Kandidaten von "Expedition Österreich", von anfangs 15 Abenteurern sind noch sieben dabei. Doch die bei solchen Realityformaten gemeinhin wichtigste Frage "Wer fliegt als Nächster?" weicht einer anderen: "Wen interessiert das noch?"

Nicht so arg viele, wie die ORF-Medienforschung zeigt. An "Taxi Orange" und "Starmania" mit Millionenvorgabe wollten die ORF-Manager ihre "Expedition" ohnehin nie messen. Zu sehr Sommer, hieß es stets. "Es schwankt stark", meint der Chefentwickler der Anstalt, Tobias Krause zum STANDARD. Momentan reicht es kaum für mehr als 300.000. Vergangenen Freitag waren nur 265.000 dabei, bedingt durch Olympia mit verspätetem Sendungsbeginn. So spät, dass Krause sich sogar über die wenigen Zuschauer freut: "Selbst nach drei Stunden Olympia", habe das Publikum den Ausschaltknopf nicht betätigen wollen. Leichte und weniger leichte Kulturprogramme wie "Gräfin Mariza" oder "Rosenkavalier" schaffen solche Quoten mit links. Die Zielgruppe sei eine ganz andere, sagt Krause.

Nicht nur der Sommer, auch um bis zu zwei Stunden variierende Beginnzeiten, bedingt durch Olympia, machen zu schaffen. "Natürlich wäre eine fixe Beginnzeit optimal", räumt auch Krause ein.

Alles seine Richtigkeit

In bester Tradition übt sich das Haus indessen bei Schleichwerbung: Den Attersee überqueren Kandidaten im One-Boot, mit One-Paddeln und One-Regenjacke. "Hat alles seine Richtigkeit", sagt Krause zum Auftritt des Hauptsponsors. Genaue Erklärungen wollte man beim ORF keine geben können. Medienrechtler Heinz Wittmann schon: "Das ist Product-Placement." Schon bei "Starmania" verstieß die Anstalt gegen das ORF-Gesetz, wie der Mediensenat 2003 entschied.

Zur Kunst gerät das Bemühen um werbewirksame Präsenz im Internet, etwa bei einem Etappenbericht: "Auch ,Ich brauch' Schokolade' hört man des Öfteren. Aber woher Letzteres nehmen, wenn die Essenskiste leer ist und sich die One-Handys nur zum Fotografieren eignen?" (Doris Priesching/DER STANDARD, Printausgabe, 17.8.2004)

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    foto: orf/leitner
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