Neuer Justizkommissar Buttiglione hält Flüchtlingslager in Nordafrika für "gute Idee"

Redaktion, 26. August 2004, 18:35

Designierter italienischer EU-Kommissar plädiert für Lastenausgleich bei Grenzschutz

Köln - Der designierte EU-Justizkommissar Rocco Buttiglione hält die von Deutschlands Innenminister Otto Schily (SPD) angeregte Einrichtung von Flüchtlings-Auffanglagern in Nordafrika für eine "gute Idee". Dies könne aber nur mit Zustimmung der betroffenen Länder geschehen, sagte der bisherige italienische Europaminister am Montag im Deutschlandfunk. Solche Lager könnten nicht zuletzt eine wichtige Aufklärungsfunktion haben, sagte Buttiglione.

Viele der Flüchtlinge könnten "ganz legal" nach Europa kommen, "wenn sie nur wüssten wie". Die EU brauche Zuwanderer, die zur Wohlfahrt beitrügen. Andererseits könnten die Lager potenzielle Unruhestifter abschrecken. Buttiglione sprach sich zugleich für einen Lastenausgleich bei der Sicherung der gemeinsamen EU-Außengrenzen aus. Der Italiener wies darauf hin, dass einige Länder tausende von Kilometern zu schützen hätten, andere gar keine. Hier sei ein gemeinsames Konzept nötig.

"Verstärkte" Bekämpfung

Der designierte EU-Kommissar bezog sich mit seinen Äußerungen auf eine gemeinsame Initiative Schilys und des italienischen Innenministers Giuseppe Pisanu. Diese hatten sich vergangene Woche auf Maßnahmen zur "verstärkten" Bekämpfung der Schleusung illegaler Einwanderer verständigt. Für im Mittelmeer aufgeriffene Flüchtlinge, die sich auf die Genfer Flüchtlingskonvention beriefen, müsse erwogen werden, eine "europäischen Einrichtung außerhalb der Grenzen Europas" zu schaffen.

Einen Entwurf ihrer gemeinsamen Überlegungen wollen Schily und Pisanu im Oktober beim Treffen der G-5, der fünf größten EU-Länder, in Florenz vorlegen. Ein entsprechendes Papier soll anschließend auf EU-Ebene den Justiz- und Innenministern vorgestellt werden.

Der innenpolitische Sprecher der SPD- Bundestagsfraktion, Dieter Wiefelspütz, bezweifelte unterdessen den Sinn der von seinem Parteifreund Schily vorgeschlagenen Flüchtlingscamps in Nordafrika. "Ich kann nicht erkennen, wie wir mit solchen Einrichtungen die Probleme lösen können", sagte Wiefelspütz am Montag in einem dpa-Gespräch in Berlin. Auch in der SPD-Fraktion gebe es eine verbreitete Skepsis. (APA/dpa)

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