Geringste Jugendarbeitslosigkeit in Österreich

9. September 2004, 13:34
4 Postings

Trotz Anstiegs in den vergangenen Jahren - 3.400 Jugendliche mit "Jobs for You(th)" untergebracht - Lücke bei Lehrstellen wird aber immer größer - mit Infografik

Wien - Mit einer Jugendarbeitslosenquote von 6,9 Prozent bzw. 31.853 der 15 bis 24-Jährigen ohne Arbeit (Ende Juli) schneidet Österreich im internationalen Vergleich am Besten ab. In der EU-25 waren zur Jahresmitte 18,2 Prozent der Jugendlichen als arbeitslos registriert. In den neuen EU-Mitgliedsländern allein lag die Jugendarbeitslosenquote Ende Juni sogar bei 30,2 Prozent.

Anstieg

In den vergangenen Jahren verzeichnete allerdings auch Österreich einen Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit; 2001 lag die Quote noch bei 5,8 Prozent. Zudem klafft die Lücke bei den Lehrstellen immer weiter auseinander.

Waren im Jahresschnitt 2001 in Österreich noch 30.935 Jugendliche unter 25 arbeitslos gemeldet, waren es 2003 bereits 39.366. "Wenn die Nachfrage am Arbeitsmarkt zurückgeht, sind Randgruppen wie Ältere und Jugendliche oder weniger gut ausgebildete Personen immer besonders stark betroffen", erklärt AMS-Sprecherin Beate Sprenger.

Jahresvergleich zeigt Besserung

Über das im Vorjahr beschlossene Programm gegen Jugendarbeitslosigkeit "Jobs for You(th)" wurden seit Jahresbeginn 3.400 Jugendliche im Arbeitsmarkt oder gemeinnützigen Beschäftigungsprojekten wie dem Wiener Stadtbeisl Inigo, Wien Work (Catering) oder Der Würfel (Übersiedlungen, Wohnungsrenovierungen) untergebracht. Damit wurde die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen im Juli im Jahresvergleich um 4,3 Prozent auf 31.853 gedrückt. Die Regierung machte dafür 40,4 Mio. Euro locker. Das AMS zahlt bei den Löhnen mit, in der Regel bis zu zwei Drittel meist auf ein Jahr befristet.

Das duale Ausbildungssystem, also die klassische Lehre, ist laut Arbeitsmarktservice (AMS) nach wie vor auch der Hauptgrund, warum in Österreich weniger Jugendliche als in Frankreich (21,6 Prozent) oder auch Schweden (16,5 Prozent) arbeitslos sind.

Schulabgänger nicht erfasst

Schulabgänger, die auf der Suche nach einer Lehrstelle sind, scheinen in der Statistik der Jugendarbeitslosen allerdings nicht auf. Nach wie vor treten etwa 38 Prozent aller 16-Jährigen eine Lehre an - heuer sind das rund 36.000. Gleichzeitig geht die Zahl der ausbildenden Betriebe seit Jahren kontinuierlich zurück. Im Juli 2004 waren beim AMS 9.507 Lehrstellensuchende vorgemerkt, um 7,1 Prozent mehr als im Juli 2003. Die Zahl der offenen Lehrstellen ist dagegen im gleichen Zeitraum um 24,3 Prozent auf 2.745 zurückgegangen.

Entlastung auf dem Lehrstellenmarkt erst 2010

Auch wenn genauere Betrachtungen zeigen, dass die Situation je nach Bundesländern unterschiedlich ist, die generelle Tendenz ist klar und wird sich in den nächsten Jahren auch noch verschärfen. Demographisch ist auf dem Lehrstellenmarkt aus heutiger Sicht erst ab 2010 eine "Entlastung" zu erwarten. Bis dahin behilft sich die Regierung mit Programmen wie Ausbildungslehrgängen in denen heuer bis zu 7.000 Jugendliche ohne Lehrstelle für zumindest 10 Monate untergebracht werden können. Zwei Drittel von ihnen fänden danach auch eine Lehrstelle, so Sprenger. Im vergangenen Herbst wurden rund 50 Mio. Euro eingesetzt und etwa 6.300 Ausbildungsplätze zur Verfügung gestellt.

"Wir haben relativ gut ausgebildete Jugendliche", betont AMS-Jugendexpertin Maria Hofstätter. Nur etwa ein bis zwei Prozent treten als ungelernte Arbeitskräfte mit 15 ins Berufsleben ein.

Mehr BHS- als AHS-Schüler

Mitverantwortlich sind laut Hofstätter auch die Berufsbildenden höheren Schulen (BHS), vor allem HTL und HAK. Die Schülerzahlen an diesen spezifisch österreichischen Schulen, die mit Matura abschließen und gleichzeitig eine berufsnahe Ausbildung bieten, übertreffen bereits seit den frühen 80er Jahren die der Gymnasien. Derzeit bereiten sich rund 12.000 Schüler in einer BHS auf die Matura vor, gegenüber 7.700 auf AHS. Die Drop-out-Rate in den BHS ist allerdings mit 25 bis 30 Prozent in etwa doppelt so hoch wie in den Gymnasien. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.