"Schlicht nicht genug Arbeit da"

9. September 2004, 13:33
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Siemens Österreich-Chef Hochleitner gegen längeres Arbeiten und Feiertagskürzung - Flexibilisierung gefordert

Wien - Der Chef von Siemens Österreich, Albert Hochleitner, ist gegen eine Verlängerung der Arbeitszeit oder Streichung von Feiertagen. Dafür sei "schlicht nicht genug Arbeit da", erklärte Hochleitner in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "profil" in Replik auf jüngste Vorstöße von Finanzminister Karl-Heinz Grasser. Zitat: "Ich halte das eher für eine Holzhammermethode." Es sei "vernünftiger, das vorhandene Arbeitsvolumen auf mehr Leute aufzuteilen". Zur besseren Auslastung der könnte etwa eine 32-Stunden-Woche sinnvoller sein als eine 40-Stunden-Woche, so Hochleitner.

Geschönte Arbeitslosenstatistik

"Dass die Arbeitslosenstatistiken mit ihren vier oder fünf Prozent Arbeitslosigkeit geschönt sind", glaubt der Siemens-Chef, sei allgemein bekannt. "In Wirklichkeit" sei die Zahl der Arbeitslosen auch in Österreich höher. "In einer solchen Situation die Regelarbeitszeit zu verlängern hätte zwangsläufig zur Folge, dass man sehenden Auges in eine höhere Arbeitslosigkeit steuert", glaubt Hochleitner.

Stattdessen plädiert der Siemens-General ebenso wie Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl für eine Flexibilisierung der Arbeitszeit. Die so genannten Durchrechnungszeiten sollten verlängert werden, "damit dann, wenn es Aufträge gibt, etwas länger gearbeitet werden und dann, wenn weniger zu tun ist, die wöchentliche Arbeitszeit reduziert werden kann".

Spitzentechnik gegen Lohndumping

Während Siemens in Österreich also nicht an eine Arbeitszeitverlängerung denkt, war der Konzern in Deutschland mit der Rückkehr von einer 35- zur 40-Stunden-Woche in zwei Werken in Nordrhein-Westfalen Vorreiter in der Diskussion. Hochleitner betont, dass die Neuregelung an den beiden deutschen Betriebsstätten, Einsparungen bei den Personalkosten von bis zu 30 Prozent bringe. In Österreich, wo derzeit 38,5 Stunden pro Woche gearbeitet werde, brächte eine Verlängerung auf 40 Stunden seiner Ansicht nach eine Ersparnis von bloß vier Prozent der Personalkosten und diese machten wiederum nur 25 Prozent der Gesamtkosten aus. Auf die geringeren Lohnkosten in Zentral- und Osteuropa könne Österreich - besser als Deutschland als Sitz der Konzernzentralen - mit einer Fokussierung auf anspruchsvollen Tätigkeiten und Spitzentechnik reagieren.

Gleichzeitig fordert Hochleitner aber auch, die Lohnkosten in Österreich nicht weiter ansteigen zu lassen. Von Lohnkürzungen halte er nichts. Er sei aber "überzeugt, dass die Lohnzuwächse künftig geringer ausfallen müssen als bisher", so der Siemens-Chef. Die hohen Ölpreise haben zuletzt zu einem kräftigen Anstieg der Inflation auf 2,3 Prozent im Juni geführt. Die Metaller übergeben ihre KV-Forderung am 23. September, die erste Verhandlungsrunde ist für 8. Oktober angesetzt. (APA)

  • Albert Hochleitner fordert moderatere Lohnzuwächse.
    foto:siemens

    Albert Hochleitner fordert moderatere Lohnzuwächse.

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