Finanzchef geht von Pleite aus

7. September 2004, 11:15
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Ölexporte könnten ab September beeinträchtigt werden - Bei anhaltendem Druck Moskaus droht in kommenden Tagen Insolvenz

London - Der russische Ölkonzern Yukos muss nach Angaben seines Finanzchefs in den kommenden Tagen Insolvenz anmelden, sollten die Behörden in Moskau ihren Druck auf das Unternehmen nicht abschwächen. Er halte die Zahlungsunfähigkeit für "sehr wahrscheinlich", sagte Finanzchef Bruce Misamore in einem am Montag veröffentlichten Interview mit der "Financial Times". Mit Erreichen der Monatsmitte stünden dem Konzern nicht mehr genügend Finanzmittel zur Verfügung. Damit stehe die Insolvenz unmittelbar bevor.

Insolvenz nicht schlechtestes Szenario

"Eine Insolvenz ist nicht das schlechteste Szenario - unter der Voraussetzung, dass alles gesetzmäßig abläuft", fügte Misamore hinzu. Die russischen Behörden hätten rund die Hälfte der Finanzmittel in Höhe von rund 1,8 Mrd. Dollar (1,5 Mrd. Euro) beschlagnahmt, die dem Unternehmen normalerweise jeden Monat zur Verfügung stehen.

Der russische Fiskus verlangt von Yukos allein für das Jahr 2000 Steuerrückzahlungen in Höhe von 2,8 Mrd. Euro; für die Jahre 2001 bis 2003 drohen weitere Forderungen. "Das gesamte Geld wird abgeschöpft. Wir können nicht überleben", betonte Misamore. Zwar habe der steigende Ölpreis Yukos mehr Einnahmen beschert und damit für einige zusätzliche Tage Luft verschafft, doch ändere dies insgesamt wenig an der Lage des Konzerns.

Ölförderung könnte beeinträchtigt werden

Das Konzernmanagement wird laut Misamore in dieser Woche zusammenkommen, um über Einschnitte bei den Investitions- und Produktionsbudgets zu beraten. Dies könne auch die Ölförderung beeinträchtigen, warnte der Yukos-Finanzchef. Zwar werde voraussichtlich eher eine Korrektur der bisher angestrebten Produktionssteigerung nach unten als eine Absenkung der derzeitigen Förderung beschlossen; doch habe der Konzern bisher weder mit den staatlichen Eisenbahnen, die einen Großteil des Yukos-Öls transportieren, noch mit den Pipeline-Betreibern eine Einigung über den Monat August hinaus erzielt. Ab September könne damit auch der Ölexport beeinträchtigt werden. (APA)

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