Lehrstellenmarkt bleibt für etliche Jahre ein Sorgenkind

2. September 2004, 15:05
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Bis 2010/11 wird sich die Kluft zwischen fehlenden Lehrstellen und auf den Lehrstellenmarkt drängenden Jugend-lichen noch weiter verbreitern, schätzt das AMS

Wien - Arbeitsmarktexperten sehen schwarz für den heimischen Lehrstellenmarkt. Kurzfristig, aber auch auf mittlere Sicht fehlen Tausende Lehrstellen in Österreich. Eine Entspannung der Situation wird frühestens für die Jahre 2010/ 2011 erwartet, sagte Lehrlingsexpertin Maria Hofstätter vom Arbeitsmarktservice Österreich (AMS) zum STANDARD. Der Hintergrund ist: Aufgrund der demografischen Entwicklung werden jedes Jahr bis zum Ende des Jahrzehnts mehr Jugendliche eine Lehrstelle suchen, als dies jetzt bereits der Fall ist - gleichzeitig sinkt aber die Zahl der angebotenen Lehrstellen.

Am augenfälligsten tritt dieses Problem in Wien auf, zeigen die AMS-Daten. In der Bundeshauptstadt kamen Ende Juli auf 323 offene Lehrstellen 2497 Bewerber. Um jede offene Lehrstelle rangeln sich also fast acht Jugendliche.

Ähnlich angespannt ist die Situation nur noch in der Steiermark (sechs Jugendliche auf eine Lehrstelle) sowie in Ober- und Niederösterreich, wo jeweils rund vier Jugendliche auf eine offene Stelle kommen. Salzburg und Vorarlberg sind die einzigen Bundesländer, in denen der Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage gelingt.

Verschärft wird diese regionale Situation obendrein durch den Umstand, dass nach wie vor wenige Modeberufe total überlaufen sind, während es Berufsbilder gibt, wo selbst in der jetzigen Situation Betriebe vergeblich Lehrstellen anbieten.

Die beiden Extremfälle sind laut letzter AMS-Statistik die Lehrberufe EDV-Techniker/in und Fleischverarbeiter.

Beim EDV-Techniker suchen derzeit österreichweit 353 Jugendliche eine Lehrstelle, gerade einmal fünf Lehrstellen werden jedoch angeboten - ebenfalls österreichweit gesprochen. Umgekehrt ist es beim Fleischverarbeiter: Aktuell gäbe es 35 offene Lehrstellen über das Bundesgebiet verteilt, doch lediglich 15 Jugendliche wollen diesen Beruf ergreifen.

Wer die Statistik in dieser Richtung liest, findet die Lehrberufe Zimmerer, Spengler, Sanitär- und Klimatechniker (Heizungsinstallateur), Tapezierer, Kunststofftechniker, Fotokaufmann, Restaurantfachmann und Rauchfangkehrer, wo es mehr Lehrstellen als Lehrstellensuchende gibt.

Viel häufiger ist klarerweise das Gegenteil, immerhin kommen über alle Bundesländer und Berufe betrachtet 9507 Lehrstellensuchende auf nur 2745 Lehrstellen. Beispielsweise wollen 830 meist männliche Jugendliche Kfz-Techniker lernen, doch gibt es nur 28 offene Lehrstellen.

Alle Förderungen, Spezialaktion wie in der Bauwirtschaft oder Vermittlungsinitiativen scheinen an dieser Situation nichts zu ändern. Für den Herbst musste das so genannte "Auffangnetz" für Jugendliche, die auf keinem Lehrplatz unterkommen, auf 7000 außerbetriebliche Lehrgangsplätze aufgestockt werden. "Ob das reicht, wird man sehen", so Hofstätter. (Michael Bachner, Der Standard, Printausgabe, 16.08.2004)

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    Trotz vieler Einzelinitiativen wie hier beim "Töchtertag" von Opel Austria bleibt die Situation auf dem Lehrstellenmarkt angespannt, Erholung nicht in Sicht

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