Leitl will tägliche Normalarbeitszeit auf 12 Stunden ausdehnen

2. September 2004, 15:05
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WKÖ-Chef: Jahresmodell würde Firmen und Beschäftigten helfen - Gespräche mit Verzetnitsch im September

Wien - Wirtschaftskammer-Präsident wird im September in einem ersten Gespräch mit ÖGB-Chef Fritz Verzetnitsch zum Thema Arbeitszeit einen Vorstoß für eine Flexibilisierung mit dem Ziel einer Jahres-Durchrechnung unternehmen. Dies kündigte Leitl im APA-Interview an. Mit flexiblen Modellen könnten Unternehmen leichter Auftrags- und Saisonspitzen ausgleichen, und auch die Dienstnehmer würden von der Aufweichung profitieren können, meinte Leitl.

Gleiche Wochenarbeitszeit

Eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit wünscht sich Leitl nicht, nur eine Ausweitung des täglichen Rahmens auf 10 bzw. 12 Stunden. Demnach würde die wöchentliche Normalarbeitszeit von 40 Stunden weiter beibehalten, die Normalarbeitszeit aber von 8 auf 10 Stunden angehoben werden. Die tägliche Höchstarbeitszeit soll auf 12 Stunden steigen. Gehen Zeiten innerhalb des Durchrechnungszeitraumes von 52 Wochen über 40 Stunden hinaus, wäre dies als Überstunden abzugelten.

Ganzjahres-Arbeitsverhältnisse

Saisonbetriebe etwa im Tourismus oder der Bauwirtschaft könnten dann Ganzjahres-Arbeitsverhältnisse abschließen. Den Dienstnehmern brächte dies den Vorteil, dass sie das ganze Jahr über Abfertigungs- und Pensionsansprüche erwerben könnten. Der leichtere Ausgleich von Saison- und Auftragsspitzen in den Firmen würde die Arbeitslosigkeit senken, ist Leitl überzeugt. Das so eingesparte Arbeitslosengeld könnte in aktive Arbeitsmarktpolitik investiert werden.

Die leidige Debatte über die Abschaffung von Sonn- und Feiertagen oder eine generelle Verlängerung der Arbeitszeit wäre damit vom Tisch, hofft der WKÖ-Chef. Ob in einer Branche 38 1/2 oder 40 Stunden in der Woche gearbeitet werde, sei Angelegenheit der zuständigen Gremien in den KV-Verhandlungen, etwa der kommenden Herbstlohnrunde.

Keine Anhebung der Höchstbeitragsgrundlage

In der Diskussion um die Finanzierung des Gesundheitssystems hält Leitl nichts von Ideen, einen "Geldmangel" durch höhere Beiträge oder eine Anhebung der Höchstbeitragsgrundlage aufzufangen. Laut Berechnungen des Gesundheitsökonomen Christian Köck schlummere im System eine 1 Milliarde Euro Einsparpotenzial, das allein durch Bürokratieabbau - ohne Verminderung des Leistungsangebots - gehoben werden könnte. "Zunächst sollte man einmal diesen Weg gehen, alles andere wäre den Versicherten gegenüber unverantwortlich", so Leitl.

Schwerarbeit definieren

Zum Tauziehen um die Schwerarbeiter-Regelung bei der geplanten Pensionsharmonisierung plädiert der WKÖ-Präsident dafür, vor weiteren endlosen Debatten gründliche Expertisen einzuholen. Zunächst müsse "Schwerarbeit" genau definiert werden. Dann sollten exakte Zahlen über den Zusammenhang von Schwerarbeit und Lebenserwartung auf den Tisch gelegt werden, denn nur mit harten Fakten könne das Thema entemotionalisiert werden. Wenn Schwerarbeiter ihre Pension tatsächlich nur viel kürzer konsumieren können, relativiere sich auch die Frage der Höhe von Abschlägen bei vorzeitigem Pensionsantritt. (APA)

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