Nur 15 Prozent der Deutschen für Reformregeln

3. September 2004, 23:35
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Aber auch nur 29 Prozent wollen zur alten Rechtschreibung zurück - 28 Prozent für Übernehmen von "sinnvollen" Teilen der Reform - 27 Prozent für Nebeneinander von alt und neu

Hamburg - Die Rechtschreibreform spaltet die deutsche Bevölkerung: Nur eine Minderheit will die neuen Regeln beibehalten; darüber, wie die Rechtschreibung künftig gehandhabt werden soll, klaffen die Meinungen jedoch weit auseinander. Das ergab eine polis-Umfrage im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur (dpa) unter 1.010 Befragten ab 14 Jahren zwischen 9. und 11. August. Nur 15 Prozent der Befragten wollen auch künftig nach den neuen Regeln schreiben. Am liebsten völlig zur alten Rechtschreibung zurückkehren würden 29 Prozent, nur sinnvolle Teile der Reform übernehmen wollen 28 Prozent. Für ein gleichberechtigtes Nebeneinander von alten und neuen Regeln plädierten 27 Prozent.

Unter den 14- bis 19-Jährigen, die seit Jahren die neuen Regeln lernen, sind erwartungsgemäß die wenigsten für eine völlige Rücknahme der Reform (6 Prozent). Die meisten von ihnen (37 Prozent) hätten am liebsten Gleichberechtigung für die alten und neuen Regeln - was für Schüler weniger angestrichene Fehler bedeuten würde. Die ab 55-Jährigen wollen dagegen lieber zu den vertrauten Regeln zurückkehren (31 Prozent) oder aber nur aus ihrer Sicht sinnvolle Teile der Reform übernehmen (30).

Was die Bildung angeht, tendieren Befragte mit Hauptschulabschluss eher zu einer Rückkehr zu den alten Regeln (36 Prozent), während unter den Befragten mit Matura oder Studium die meisten am liebsten einzelne für sie sinnvolle Regeln der Reform übernehmen wollen (39 Prozent).

Auch die Initiative der drei Häuser Springer, Spiegel und Süddeutscher Verlag, im Alleingang wieder zur alten Rechtschreibung zurückzukehren, wird von den Befragten unterschiedlich bewertet. Die Mehrheit (53 Prozent) hätte lieber eine einvernehmliche Lösung gehabt, etwas weniger Befragte (42 Prozent) finden das Verhalten der Verlage in Ordnung.

Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner hatte sich um ein breites Medienbündnis bemüht, jedoch nur den Spiegel- und den Süddeutschen Verlag ins Boot holen können. Die "Süddeutsche Zeitung" will jedoch frühestens im Oktober entscheiden, in welchem Umfang sie die reformierte Rechtschreibung ändert.

In Österreich haben sich in einer in der vergangenen Woche von der Info-Illustrierten "News" publizierten Gallup-Umfrage 62 Prozent von 400 Befragten für ein Abgehen von der Rechtschreibreform ausgesprochen. Dabei zeigte sich ebenfalls ein deutliches Altersgefälle: Bei den Über-50-Jährigen deklarierten sich 78 Prozent als Reform-Gegner, bei den Unter-30-Jährigen überwogen bereits knapp die Reform-Befürworter (50 zu 46 Prozent). (APA/dpa)

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