Genverbot im Futtersoja macht Schnitzel teurer

30. September 2004, 22:49
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Ein Verzicht auf gentechnisch verändertes Futter treibe den Preis um 15 Prozent nach oben, sagt die Agrarmarkt Austria

Genverbot im Futtersoja macht Schnitzel teurer Ein völliger Verzicht auf gentechnisch verändertes Futter, sofern überhaupt möglich, treibe den Fleischpreis um rund 15 Prozent nach oben, sagt die Agrarmarkt Austria.

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Der Streit um die Verwendung gentechnisch veränderten Sojas in der Schweine- und Rindermast geht unvermindert weiter. Nachdem in der Donnerstagausgabe des STANDARD ein Vertreter der Umweltgruppe Greenpeace massiv das AMA-Gütesiegel kritisiert hatte, weil dies Gentechnik-Freiheit suggeriere, starteten Vertreter der Agrarmarkt Austria (AMA) am Freitag zum Gegenangriff.

"Sollte es aufgrund dieser Kampagne zu Rückgängen im Fleischkonsum kommen, werden wir uns Schadenersatzklagen überlegen", sagte der Geschäftsführer der AMA-Marketing GesmbH, Stephan Mikinovic, in einer Pressekonferenz. Klar sei, dass Fleisch teurer würde, und zwar um rund 15 Prozent. Statt fünf bis sechs Euro je Kilo Schnitzelfleisch habe der Konsument dann um etwa 80 Cent mehr zu zahlen - nicht zuletzt Folge höherer Logistikkosten.

Machbarkeitsstudie

Als Zugeständnis an Greenpeace will man Möglichkeiten prüfen, wie gentechnisch verändertes Futter außerhalb der Nahrungskette gehalten werden kann. Eine Machbarkeitsstudie, die man noch im August ausschreiben will, soll bis Anfang Dezember vorliegen. Entscheiden müssten letztlich aber die knapp 9000 Bauern, die am Qualitätsprogramm mitmachen, zusammen mit den Zerlegungsbetrieben und dem Handel.

Grund für die Erregung von Greenpeace ist der verhältnismäßig kleine Anteil von Eiweißfutterstoffen, der mit Importsoja gedeckt wird und auch gentechnisch veränderte Chargen enthält. Während der Hauptteil des AMA-Nutztierfutters aus Mais österreichischer und somit absolut gentechnikfreier Provenienz stammt, werden pro Jahr rund 540.000 Tonnen Soja importiert; knapp 100.000 Tonnen sind für das Gütesiegelprogramm notwendig. Aufgrund verschiedener internationaler Verträge sei unklar, in welchem Ausmaß Österreich selbst Soja anbauen könne. "Auch darauf soll die Machbarkeitsstudie Antworten geben", erklärte der Leiter des AMA-Qualitätsmanagements, Martin Gressl.

"Auf die lange Bank schieben"

Von einem eigenen Gütesiegel, das die Gentechnikfreiheit des Produkts bezeuge, hält man bei der AMA indes nichts. "Das geht dann zulasten der Bioprodukte, und das wollen wir doch auch nicht."

Greenpeace sprach hingegen davon, dass eine Lösung weiter auf die lange Bank geschoben würde und kündigte weitere Aktionen an. (stro/DER STANDARD; Printausgabe, 14./15.8.2004)

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