Drei Auffanglager für Flüchtlinge in Libyen

Redaktion, 15. August 2004 17:11

Kritik der UNHCR wies Schily zurück - Prodi: Libyens Öffnung "Politik von großer Tragweite"

Rom - Die Regierungen von Italien und Libyen haben sich auf eine enge Zusammenarbeit bei der Kontrolle illegaler Einwanderer geeinigt. Das Abkommen sieht auch gemeinsame Patrouillen der Küstenwachen vor.

Mit italienischer Unterstützung sollen in Libyen vorerst drei Auffanglager für insgesamt 1000 Menschen errichtet werden. Von dort sollen die Flüchtlinge mit Chartermaschinen in ihre Heimatländer zurückgebracht werden. Italiens Innenminister Antonio Pisanu und sein deutsches Pendant Otto Schily wollen der EU zusätzlich die Eröffnung "gemeinsamer Asylstellen" in jenen Ländern vorschlagen, aus denen die meisten Auswanderer stammen.

Vertreter des UN-Flüchtlingshilfswerks lehnen diese Pläne ab. Die Asylpraxis in Länder der Dritten Welt zu verlagern sei "reine Augenauswischerei", kritisierte die italienische UNHCR-Sprecherin Laura Boldrini. Schily wies Kritik an Asyllagern in Libyen zurück: "Solche Lager sind keineswegs unmenschlich. Unmenschlich ist es, diese Menschen im Meer sterben zu lassen."

EU-Kommissionspräsident Romano Prodi, der demnächst Tripolis besucht, begrüßte Libyens Öffnung gegenüber der EU als "Politik von großer Tragweite". (mu, DER STANDARD, Printausgabe 14./15.8.2004)

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