Schwache US-Daten deuten auf moderatere Zinserhöhungen

9. September 2004, 13:17
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Importe gestiegen, Exporte sinken - Verbrauchervertrauen fällt

New York - Schwächer als erwartet ausgefallene US-Daten haben den Finanzmärkten am Freitag signalisiert, dass die Notenbank Fed ihr Tempo bei der Straffung der Geldpolitik etwas zügeln könnte. Das Vertrauen der Verbraucher in die wirtschaftliche Entwicklung ihres Landes sank im August nach vorläufigen Berechnungen der Universität Michigan überraschend. Zudem weitete die weltgrößte Volkswirtschaft ihr Defizit im Außenhandel im Juni deutlich stärker aus als erwartet.

Auch die Erzeugerpreise, die weniger als erwartet anzogen, deuteten an, dass die Fed sich mit Zinserhöhungen mehr Zeit lassen könnte. Der Dollar reagierte mit kräftigen Kursverlusten zu den wichtigsten Währungen auf die Daten. Festverzinsliche Papiere legten dagegen zu und profitierten dabei von der Aussicht nicht ganz so rasch steigender Zinsen.

"Keine aggressive Zinserhöhung"

"Das verringert die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed aggressiv die Zinsen erhöht", beurteilte Volkswirt Keith Hembre von US Bancorp Asset Management die Konjunkturdaten. Die Fed hatte zuletzt zum zweiten Mal in diesem Jahr den Schlüsselzins um 25 Basispunkte auf 1,5 Prozent erhöht und weitere Erhöhungen in Aussicht gestellt, wobei sie in "gemäßigtem Tempo" vorgehen wolle. Die Zahlen erhöhten allerdings auch die Wahrscheinlichkeit dafür, dass die Wachstumsrate für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA für das zweite Quartal noch nach unten revidiert wird.

Hatten Volkswirte nach den jüngsten Daten damit gerechnet, dass die Regierung ihre Wachstumszahl von auf das Gesamtjahr hochgerechnet drei Prozent für das zweite Quartal nach oben revidieren würde, dürften die Daten nun eher zu einer Verschlechterung führen.

Verbrauchervertrauen fällt

Der Index der Universität Michigan fiel auf 94,0 Punkte nach 96,7 Punkten im Juli, wie am Freitag aus New Yorker Finanzkreisen verlautete. Analysten hatten im Durchschnitt mit einem Anstieg auf 97,5 Zähler gerechnet. Der Index der Erwartungen für die nächsten zwölf Monate im August auf 84,7 (Juli 91,2) Zähler. Bei den gegenwärtigen Bedingungen ergab sich dagegen ein Anstieg auf 108,4 (105,2) Punkte.

"Der Rückgang kommt für uns nicht überraschend", sagte Devisenanalyst Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank. "Ein Anstieg wäre angesichts der jüngsten US-Konjunkturdaten auch nicht gerechtfertigt gewesen. Wir sehen nun eine Tendenz zu einer realistischeren Einschätzung der US-Wirtschaft durch die Verbraucher."

Weiterhin hoch

Andere Volkswirte verwiesen aber darauf, dass der Index-Stand im Vergleich zum Vorjahr weiterhin hoch blieb. Der stark beachtete Index gilt als wichtiges Konjunkturbarometer, das die Stimmung und das Kaufverhalten der US-Verbraucher im Voraus anzeigt. Die Konsumausgaben machen rund zwei Drittel der Wirtschaftsleistung der USA aus. Zuletzt liefen beide Indikatoren allerdings etwas auseinander.

Im Außenhandel erhöhten die USA ihr Defizit im Juni kräftig auf 55,8 Mrd. Dollar (45,7 Mrd. Euro) nach revidiert 46,9 Mrd. Dollar im Vormonat und markierten damit einen neuen Rekordstand. Analysten hatten im Schnitt eine Ausweitung auf 47,0 Mrd. Dollar vorhergesagt. Bei den Ausfuhren verzeichneten die USA mit minus 4,3 Prozent auf 92,8 Mrd. Dollar den stärksten Rückgang seit knapp drei Jahren, während die Einfuhren mit plus 3,3 Prozent auf 148,6 Mrd. Dollar ihren höchsten Stand aller Zeiten erreichten. "Die wahrscheinlich schlechteste Nachricht ist der starke Rückgang bei den Exporten, die die US-Industrie zuletzt unterstützt hatten", stellte Volkswirt John Lonski von Moody's fest.

Anstieg der Ölpreise

In den Handelszahlen spiegelte sich unter anderem der rasante Anstieg der Ölpreise wider. Auf die Erzeugerpreise schlug der anhaltend hohe Ölpreis indes nicht durch. Nach den am Freitag veröffentlichten Daten stiegen die Erzeugerpreise im Berichtsmonat gegenüber Juni um 0,1 Prozent nach einem Rückgang von 0,3 Prozent im Vormonat. Volkswirte waren von einem Anstieg um 0,2 Prozent ausgegangen. Ohne die stark schwankenden Preise für Lebensmittel und Energie ergab sich im Juli ebenfalls ein Preisanstieg um 0,1 (Juni plus 0,2) Prozent.

Die Energiepreise stiegen um 2,3 Prozent, wobei sich Benzin um 5,4 Prozent verteuerte. Im Jahresvergleich zeigte der Erzeugerpreisindex im Juli einen Anstieg um vier Prozent.(APA/Reuters)

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