Gericom meldet Ergebniseinbruch

8. September 2004, 14:03
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Investitionen um 70 Prozent, Mitarbeiter um 14 Prozent reduziert - Oberlehner sieht "solides Fundament, positiver Trend"

Wien - Der börsenotierte Linzer Notebook-Hersteller Gericom musste im ersten Halbjahr 2004 einen Einbruch bei Umsatz und Ergebnis einstecken. Die Umsatzerlöse gingen von 235,51 auf 191,07 Mio. Euro zurück, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) sank von 4,15 auf 2,49 Mio. Euro. Der Gewinn je Aktie rutsche von 25 auf 15 Cent ab, die Investitionen haben sich mit 118,74 Mio. Euro um 70 Prozent reduziert. Dafür erhöhte sich die Eigenkapitalquote von 50,9 auf 51,4 Prozent. Die Zahl der Mitarbeiter verringerte sich um 43 Personen auf 254. Der Rechtsstreit mit dem deutschen Elektronikhändler Medion dauert weiter an, mittlerweile wurde von Medion eine Klage beim Landesgericht in Essen eingereicht.

Trotz des Ergebniseinbruches steht Gericom für Vorstands-Chef Hermann Oberlehner auf einem "soliden Fundament": "Trotz eines rückläufigen Umsatzes konnten wie uns deutlich gegenüber dem Vorjahr verbessern und wieder ein positives Ergebnis erwirtschaften", so der Gericom-Boss. Erhebliche Zuwächse hätte es in der Sparte Home Entertainment gegeben, die mittlerweile 21 Prozent des Umsatzes ausmache.

Ob der "positive Trend" auch im zweiten Halbjahr fortgesetzt werde, hänge von der Konsumstimmung in Europa und hier insbesondere in Deutschland ab, so das Unternehmen. Das Umsatzziel beziffert Oberlehner im aktuellen Quartalsbericht mit rund 400 Mio. Euro.

Insolvenzgefahr

Im Vorjahr ist Gericom knapp an der Insolvenz vorbei geschlittert. Die Jahresbilanz 2003 wies einen Nettoverlust von 17,2 Mio. Euro aus. Die Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) hatte deshalb Anfang März offene Kredite über knapp 5 Mio. Euro fällig gestellt. Nur durch den darauf folgenden Einstieg von Medion sei Gericom "der Weg zum Masseverwalter" erspart geblieben, wurde Oberlehner in Medienberichten damals zitiert.

Mittlerweile herrscht zwischen Gericom und Medion allerdings ein Rechtsstreit. Medion hatte mit Oberlehner den Erwerb eines Gericom-Aktienpaketes von 24,9 Prozent vereinbart, das von dessen Beteiligungsgesellschaft gehalten wird. Inzwischen jedoch wollen die Österreicher den Einstieg verhindern und Oberlehner weigert sich, sein Aktienpaket herauszugeben. Oberlehner hatte sich im März 2004 zum Verkauf dieses Aktienpakets an der seinerzeit angeschlagenen Gericom verpflichtet, im Gegenzug sollte Medion Synergien bei Vertrieb und Logistik schaffen. Medion sieht den Vertrag als zu 100 Prozent erfüllt an, Gericom ist hingegen anderer Meinung: "Es ist nicht ein Euro von Medion geflossen und es hat keine Kontakte gegeben", so Gericom-Finanzvorstand Patrick Prügger.(APA)

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