Warnstreik beendet, Konflikt geht weiter

8. September 2004, 13:17
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19 Flüge gestrichen, 6.000 Passagiere betroffen - Vorstand: Weitere Verhandlungen nur in Abstimmung mit Sozialpartnern

Wien - Freitag der 13., hat sich im wahrsten Sinn des Wortes als ein schwarzer Freitag für die Austrian Airlines (AUA) und rund 6.000 Passagiere erwiesen. Der AUA-Bord-Betriebsrat hatte die gestern wieder aufgenommenen und in der Nacht einvernehmlich unterbrochenen Verhandlungen um einen gemeinsamen Kollektivvertrag (KV) für das fliegende Personal bei Austrian und Lauda Air am Vormittag für gescheitert erklärt und im Zuge einer Betriebsversammlung einen zweistündigen Warnstreik abgehalten. 19 Flüge mussten gestrichen werden, bei Langstreckenflügen gab es Verspätungen. Das Tauziehen um den geplanten KV könnte nun am Montag weitergehen.

In einem am Nachmittag ausgesendeten Mail an AUA-Vorstandsvorsitzenden Vagn Sörensen hat AUA-Bordbetriebsratsvorsitzender Rudolf Novak den Vorstand nun für Montag ab 14 Uhr zu einem Gespräch "in kleinem Rahmen" eingeladen. Nachdem auf Fachebene die Standpunkte ausreichend ausgetauscht wurden, sei die Arbeitnehmerseite der Meinung, dass eine Entscheidung gefällt werden müsse. Der Betriebsrat bedauere es sehr, dass die für heute von uns angebotenen Gesprächsrunde von Arbeitgeberseite nicht wahrgenommen worden sei, trotzdem sehe man "die Notwendigkeit weitere Gespräche zu führen". Dass am Wochenende gestreikt werde, ist laut stellvertretendem AUA-Bord-Betriebsratvorsitzendem Karl Minhard "unwahrscheinlich".

Angebot angenommen

Der Vorstand nehme das Angebot des Betriebsrats für weitere Gespräche an, allerdings nur, wenn diese mit den Sozialpartnern akkordiert seien, hieß es am Freitagnachmittag aus dem AUA-Management. Die heutige Handlungsweise des Betriebsrats habe den Vorstand darin bestätigt, Gespräche künftig nur auf Sozialpartnerebene zu führen.

Man sei "bestürzt und schockiert" darüber, dass man sich so weit von der damaligen Sozialpartnereinigung entfernt habe, indem man sogar einen wilden Streik ausgerufen habe, der den Passagieren und dem Flugverkehr einen noch nicht bezifferbaren, aber beträchtlichen Schaden zugefügt habe. Es habe "kein wie immer gearteter Grund" für einen Warnstreik bestanden, der ein "Willkürakt gegen Österreichs Luftfahrt" sei. Der finanzielle und Reputationsschaden sei noch nicht abschätzbar.

Leitl: "ausgesprochen verantwortungslos"

Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl bezeichnete den Warnstreik als "ausgesprochen verantwortungslos". Leitl lehnt es ab, sich in den Konflikt wie im Vorjahr erneut persönlich einzuschalten. Verkehrsminister Hubert Gorbach (F) appellierte an den AUA-Bordbetriebsrat, die Verhandlungen wieder aufzunehmen.

Der AUA-Bord-Betriebsrat wirft dem Vorstand vor, die geplante Zusammenführung von Austrian und Lauda Air und den gemeinsamen KV nun nicht mehr - wie ursprünglich vereinbart - zu wollen. Das Management weist dies hingegen zurück. "Der Vorstand möchte den Merger nicht mehr", meint Minhard. Der gemeinsame KV sei nach wie vor das vom Vorstand "favorisierte Modell", betonte hingegen AUA-Sprecher Johannes Davoras.

Hintertüre befürchtet

Freitag Früh hatte noch alles nach einer Entspannung des Konfliktes ausgesehen. Bei den nächtlichen Gesprächen sind laut AUA-Angaben von heute Früh inhaltlich "einige Fortschritte" erzielt worden, u.a. sei die strittige Frage der Anmeldung eines Lauda Air-Flugzeugs zum Erhalt der behördlichen Bewilligung und des Flugnummernpräfixes positiv geklärt worden. Die Bordbelegschaft hatte zuvor befürchtet, die AUA-Führung könnte sich durch die Beibehaltung eines Flugzeuges mit dem Lauda-Hoheitszeichen (NG) eine Hintertür für die Gründung einer Billigairline unter der Bezeichnung Lauda Air mit billigem Personal offen halten. Einige andere Themen müssten aber noch diskutiert und auf Basis der sozialpartnerschaftlichen Grundsatzvereinbarungen geklärt werden, hieß es weiter.

Auf Grund der Betriebsversammlung und des Warnstreiks hat die AUA heute 19 der insgesamt 97 Flüge gestrichen und sechs Ersatzflugzeuge angemietet. Von den insgesamt rund 24.000 gebuchten Passagieren waren rund 6.000 betroffen.

Streiks auch im Vorjahr

Im Vorjahr hatte es bei der AUA fast auf den Tag genau ebenfalls Streiks gegeben. Hintergrund ist der seit mehr als eineinhalb Jahren andauernde Konflikt zwischen Management und fliegendem Personal um die Zusammenführung des Flugbetriebs von Lauda Air und Austrian sowie um den geplanten gemeinsamen KV. Die vorjährigen Streiks im August und Oktober haben die AUA 4,5 Mio. Euro gekostet.

Auf Vermittlung der Sozialpartnerspitze - Gewerkschaftsbund ÖGB und Wirtschaftskammer Österreich - wurden am 17. November 2003 und am 30. März 2004 Grundsatzvereinbarungen als Rahmen für den gemeinsamen KV fixiert, an denen sich beide Seiten bei den weiteren Gesprächen halten sollten. Ein geplanter Abschluss der KV-Verhandlungen Anfang Juli wurde verschoben. Seit Ende Juli ist der Konflikt im Zuge der Ausformulierung der KV-Details wieder eskaliert, beide Seiten werfen einander seither eine Verletzung der Rahmenvereinbarungen vor.(APA)

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