Vier Landeshauptleute seit 1945

28. September 2004, 22:38
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ÖVP stellte stets das Landesoberhaupt - mit Grafik

Bregenz - Seit 1945 haben in Vorarlberg erst vier Landeshauptleute regiert. Neben ihrer ÖVP-Zugehörigkeit ist allen eine lange Amtszeit gemeinsam. Drei von ihnen - Herbert Keßler, Martin Purtscher und Herbert Sausgruber - sind ausgebildete Juristen.

Im August 1945 wurde der Dornbirner Landwirt Ulrich Ilg (1905-1986) vom Oberbefehlshaber der französischen Besatzungstruppen zum Landeshauptmann von Vorarlberg ernannt. Vier Monate später wurde Ilg vom erstmals zusammengetretenen Landtag mit 24 von 26 Stimmen in seinem Amt bestätigt und außerdem zum Landtagspräsidenten (bis 1949) gewählt. Ilg schlug noch vor der Landtagswahl 1964 Herbert Keßler als seinen Nachfolger vor. Nach der Landtagswahl 1964 trat Ilg als Landeshauptmann zurück, blieb als Finanzreferent aber noch bis 1969 Mitglied der Landesregierung.

Industrieland

Herbert Keßler (geb. 1925) übernahm im Alter von nur 39 Jahren das Amt des Vorarlberger Landeshauptmanns und behielt es für 23 Jahre inne. Der promovierte Jurist hatte seine politische Laufbahn 1954 als Landtagsabgeordneter begonnen, 1957 war er außerdem zum Bürgermeister der Marktgemeinde Rankweil (Bezirk Feldkirch) gewählt worden. Keßlers Amtszeit ist von der rasanten Entwicklung Vorarlbergs zum Industrieland geprägt: Während die Bevölkerung um ein Viertel von 240.000 auf 320.000 Personen anwuchs, verdoppelte sich die Zahl der Beschäftigten (von 61.000 auf 117.000). Als Insel der Seligen meldete Vorarlberg 1979 545 Arbeitslose (0,5 Prozent). Auch der Bau des Arlbergtunnels sowie der Rheintalautobahn fallen in die Ära Keßler. Mit ihm an der Spitze erreichte die Landes-ÖVP bei Landtagswahlen stets die absolute Mehrheit.

Nach dem Rückzug Keßlers aus der Landespolitik wurde 1987 der nur drei jüngere Martin Purtscher (geb. 1928) zu seinem Nachfolger gewählt. Purtscher hatte sich im Zivilberuf einen Namen als Leiter der Jacobs-Suchard-Gruppe gemacht. Sein politischer Einstieg erfolgte 1955 als Gemeindevertreter seines Heimatorts Thüringen (Bezirk Vorarlberg), ab 1964 war Purtscher Landtagsabgeordneter, von 1974 bis zu seiner Bestellung zum Landeshauptmann Landtagspräsident. Besondere Würdigung erfährt noch heute Purtschers Engagement für die europäische Integration und für starke Regionen in der EU. Als "historischer Erfolg" wurde in Vorarlberg die Sicherung der Gründerrechte des Landes an den Vorarlberger Illwerken sowie der vorzeitige Rückkauf der Aktienmehrheit des Bundes gefeiert. Nach der Landtagswahl 1994, bei der die ÖVP die absolute Mandatsmehrheit verteidigte, aber erstmals weniger als 50 Prozent der Stimmen erhielt, designierte Purtscher seinen Stellvertreter Herbert Sausgruber zu seinem Nachfolger.

Seit dem 2. April 1997 ist Herbert Sausgruber (geb. 1946) Vorarlberger Landesoberhaupt. Zunächst als Gemeindevertreter aktiv (ab 1975), durchlief Sausgruber eine politische Bilderbuchkarriere - Landtagsabgeordneter (1979), Klubobmann der ÖVP-Landtagsfraktion (1981), Landesparteiobmann der ÖVP (1986), Mitglied der Landesregierung (1989), Landeshauptmann-Stellvertreter (1990). Sausgruber genießt hohes Ansehen als Realpolitiker, der stets ein Auge auf die Finanzen hat. Auch als Landeshauptmann hat er das Finanzressort nicht abgegeben. Die unter Sausgruber erstellten Landesbudgets unterliegen seinem Credo "Keine Netto-Neuverschuldung". Österreichweit bekannt ist Sausgruber als überzeugter Föderalist und Kämpfer für die Anliegen der Bundesländer. 1999 büßte er als erster Vorarlberger ÖVP-Landeshauptmann die absolute Mandatsmehrheit ein. (APA)

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