Hintergrund: Die Ausgangssituation

19. September 2004, 17:11
posten

ÖVP dominiert seit 1945 - in den 1990-er Jahren überholte FPÖ die SPÖ - Grüne seit 1984 Landtagsfraktion - mit Grafik

Bregenz - Die Vorarlberger Landtagswahlen seit 1945 stehen ganz im Zeichen der ÖVP, die die anderen Parteien immer auf Distanz hielt. Waren die Ergebnisse der Ländle-Landtagswahlen von 1945 bis 1979 nur durch geringfügige Prozentverschiebungen geprägt, brachte der Einstieg der Grünen 1984 Leben in die politische Landschaft. Mit ÖVP, SPÖ, FPÖ und Grünen schafften bisher vier Fraktionen den Einzug in den Vorarlberger Landtag.

Erst bei der bisher letzten Landtagswahl vor fünf Jahren verlor die Volkspartei die absolute Mandatsmehrheit, die sie seit dem Zweiten Weltkrieg inne gehabt hatte. Mit 45,76 Prozent Stimmenanteil erreichte sie nur noch 18 von 36 Mandaten und musste eine Koalition mit der FPÖ eingehen. 1994 hatte sie erstmals knapp die absolute Stimmenmehrheit verpasst (49,95 Prozent). Davor konnte die ÖVP im 36-sitzigen Landtag (ab 1959, zuvor 26 Sitze) stets mindestens 20 Mandate für sich verbuchen.

Dominanz

Nachdem die 50-Prozent-Marke bereits 1969 gewackelt hatte, erholte sich die ÖVP und baute ihren Stimmenanteil bei den folgenden Wahlen wieder auf bis zu 57 Prozent aus. Ab 1984 pendelte sich die Volkspartei in der Nähe der 50 Prozent ein, bis sie 1994 knapp und 1999 schließlich klar darunter fiel.

Dass noch keine andere Partei als die ÖVP 30 Prozent der Stimmen erreichte, verdeutlicht die Dominanz der Volkspartei. Mit 29,54 Prozent verfehlte die SPÖ diesen Wert 1964 nur knapp.

Am nächsten kam der ÖVP bisher die FPÖ, allerdings immer noch mit einem Respektabstand von über 18 Prozentpunkten (1999). Seit 1949 sind die Freiheitlichen ohne Unterbrechung im Vorarlberger Landtag vertreten, seit 1994 als zweitstärkste Fraktion. Die Landtagswahl 1999 ging als Höhepunkt in die Geschichte der Freiheitlichen ein. Mit 27,41 Prozent Stimmenanteil war sie der große Wahlsieger und hauptverantwortlich für das Fallen der ÖVP-Absolutmehrheit. Ihren bisher schwärzesten Tag erlebte die FPÖ hingegen 1984, als sie hinter den erstmals kandidierenden Grünen nur auf Platz vier kam und gerade noch die 10-Prozent-Marke schaffte.

Jahrzehntelang waren die Sozialdemokraten als zweitstärkste politische Kraft in Vorarlberg etabliert. Zwischen 1954 und 1989 bewegte sich die SPÖ stets zwischen 21 und knapp 30 Prozent, für mehr als zehn Mandate reichte es aber nie. Stark zurückgefallen ist die SPÖ in den 90-er Jahren, als sie die 20 Prozent-Marke zwei Mal klar verpasste und hinter die FPÖ auf den dritten Platz rutschte. Bei der für die SPÖ katastrophalen Wahl 1999 erreichte sie nicht einmal mehr die Hälfte der FPÖ-Stimmen.

Fulminanter Einstieg

Der Einstieg der Grünen in den Vorarlberger Landtag war fulminant: Unter dem Bregenzerwälder Kaspanaze Simma zog die Vorarlberger Grün-Bewegung als erste überhaupt in einen österreichischen Landtag ein und überholte mit genau 13 Prozent Stimmenanteil auf Anhieb die FPÖ. Dieser Erfolg sollte allerdings der größte bleiben. Bei den folgenden Wahlen wurden die Grünen zwar immer wieder in den Landtag gewählt, über drei Mandate bzw. 7,76 Prozent kamen sie aber nicht mehr hinaus. (APA)

  • Artikelbild
    grafik: standard
Share if you care.