Bernhard Amann - Anarchist bringt Farbe in Vorarlberger Politik

19. September 2004, 16:27
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Zweiter Versuch mit "Vau-heute" - Amann verlangt einen Paradigmenwechsel in der Politik

Bregenz - Bernhard Amann bringt Leben in den Vorarlberger Wahlkampf. Schon die Namenswahl (in Anlehnung an die ORF-Sendung "Vorarlberg heute") und die Gestaltung des Logos seiner Liste, das Ähnlichkeit mit dem der "Vorarlberger Nachrichten" aufweist, verraten seinen Hang zu Ironie und Aufmüpfigkeit. Nach einem vergeblichen Anlauf vor fünf Jahren versucht er neuerlich, mit seiner Liste "www.vau-heute.at" - so die offizielle Listenbezeichnung - in den Vorarlberger Landtag einzuziehen.

Der heuer 50 Jahre alt gewordene Bernhard Amann (verheiratet, Vater von zwei Töchtern) bezeichnet seine Vita selbst als "Chronik der Unruhe". Er ist überzeugter Anarchist und um einen guten Spruch nie verlegen. "Wenn du das sagst, dann glaube ich dir das", sagt Amann in einer Stadtvertretungssitzung zu Bürgermeister Christian Niederstetter (V), und alle wissen, wie es gemeint ist. Seine Polemik, seine Ideen und auch seine Auseinandersetzungen mit Niederstetter sind weit über Stadtgrenzen seiner Heimat Hohenems hinaus bekannt.

Alltägliche Missstände

In die Politik treiben ihn "die alltäglichen Missstände bei Behörden und Verwaltung, bei den 'Experten', die Herzlosigkeit der verwalteten Sozialarbeit", die seine Wortmeldung erfordern, wie er sagt. Dabei sind seine Wurzeln christlichsozial. Als Sohn des langjährigen Hohenemser ÖVP-Bürgermeisters und Ehrenbürgers Otto Amann war Bernhard Mitglied der Jungen ÖVP. "Hätte ich dort brav weitergemacht, säße ich heute zumindest irgendwo in der landeseigenen Sozialbürokratie", ist Amann überzeugt. Doch seien die Parteien für ihn kein "adäquater Platz" gewesen, weil sie für die Betroffenen bestenfalls Regeln schaffen würden, sie aber nicht mit einbeziehen.

Nach Amanns Aussagen habe ihn - abgesehen von der FPÖ - jede Partei für eine Mitarbeit gewinnen wollen, gegründet hat er aber schließlich seine eigene Bürgerliste "Die Emsigen" (1994). Ein Jahr später zogen "Die Emsigen" mit zwei Mandaten in die Hohenemser Stadtvertretung ein, bei der Gemeindevertretungswahl 2000 kam noch ein drittes Mandat hinzu. Amanns Liste ist in Hohenems viertstärksten Kraft, Amann selbst wird zum Jugendstadtrat bestellt.

Abseits der Politik ist Amann als Jugendarbeiter und Drogenberater bekannt. Von 1975 bis 1982 gründet und betreibt er in Hohenems das Jugendzentrum "Konkret". Ab 1979 ist er außerdem Vorsitzender des Dachverbands der Vorarlberger Kommunikations- und Freizeitzentren (bis 1987) und gerät in Clinch mit dem damaligen Landeshauptmann Herbert Keßler (V). Amann ist außerdem Gründer einer Drogensüchtigen-Anlaufstelle und eines Selbsthilfevereins. Seit 1996 ist er Vorstandsmitglied der IG Kultur Vorarlberg, seit 2002 ihr Obmann. 1992 gründete er den Kulturverein "Transmitter", der alljährlich das internationale "Transmitter"-Festival durchführt, bei dem Regisseur Christoph Schlingensief schon mehrmals mit dabei war.

Um keine Langeweile aufkommen zu lassen und um die Wähler für "Vau-heute" zu begeistern, hat Amann für die bevorstehende Landtagswahl bereits die Wiederholung einer Auktion aus dem Jahr 2000 angekündigt: Damals versprach er im Wahlkampf, so viele Stadtratsgehälter in Höhe von 22.850 Schilling (brutto) zu verlosen, wie "Die Emsigen" Mandate erreichen (unter der Voraussetzung, dass "Die Emsigen" einen Stadtrat stellen). Amann hielt Wort. Sein Versprechen hat Amann für die Landtagswahl und "Vau-heute" sogar noch aufgebessert: Für jedes Landtagsmandat werden zwei Monats-Gehälter (rund 4.250 Euro brutto) verlost. (APA)

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    Bernhard Amann

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