Anschlussheilkur

29. Oktober 2004, 12:14
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Danke Deutschland! Jetzt ist das ödeste Thema, das je ein Generationen aufwühlendes nationales Problem werden durfte, auch bei uns gut angekommen ...

... Wer sich derzeit saisonbedingt über sonst nichts aufregen kann, versucht es gnadenlos über die Rechtschreibreform.

Dabei verbirgt die deutsche Sprache ihre Schätze ganz woanders als in S-Regeln und Ph-Werten. Zum Beispiel wurde Österreich eine wichtige Einrichtung jahrzehntelang einfach verschwiegen: Frau P. musste nach einer Hüftoperation auf "Reha", wie man im Inland gesagt hätte. (Dinge, die uns nahe sind, kürzen wir immer gerne ab.) Da die Frau allerdings in Deutschland lebt, gab es statt der "Reha" eine so genannte "Anschlussheilbehandlung". Dieses Wort muss man sich auf der Zugen zergehen lassen. Mehr noch: Wir sollten diese außergewöhnliche Heilkur schleunigst importieren, denn ein knappes Drittel aller Österreicher bedarf ihrer dringend.

Es sind jene jüngst vom Fessel-Institut ermittelten 31 Prozent, die noch immer meinen, der Nationalsozialismus habe "schon auch sein Gutes" gehabt. Ihnen sei eine sofortige stationäre Anschlussheilbehandlung per Krankenschein vergönnt. Und dann auf "Reha" ins Ruhrgebiet. (DER STANDARD, Printausgabe, 13.8.2004)

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    grafik: derstandard.at
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