Auffanglager für Flüchtlinge in Libyen in Aussicht

von Redaktion  |  13. August 2004, 19:15

Einigung zwischen Deutschland und Italien, in Libyen nach Vorstoß von Schily

Rom – Italien und Deutschland wollen in Libyen Auffanglager für illegale Einwanderer errichten. Die Innenminister Otto Schily und Antonio Pisanu bekräftigten nach einem Treffen in der Toskana ihre Absicht, den EU-Partnern bereits im September einen entsprechenden Plan vorzulegen.

Pisanu versicherte, die ersten Lager könnten "bereits in zwei Monaten" errichtet werden. Es handle sich dabei um "mobile Strukturen". Gedacht sei zunächst an "Zeltstädte mit Feldküchen und medizinischer Notversorgung", die als "Sammelstellen für den organisierten Rücktransport der Flüchtlinge in ihre Heimatländer" dienen sollten. Dort könnten auch Asylanträge geprüft werden.

"Konzentrationslager"

Dagegen sprach die italienische Caritas von "Konzentrationslagern, in denen das Asylrecht für Verfolgte und Kriegsflüchtlinge nicht sichergestellt" sei.

EU-Kommissionspräsident Romano Prodi erklärte nach einem Telefongespräch mit Staatschef Muammar Gaddafi, die libysche Regierung sei "mit einer internationalen Lösung des Flüchtlingsproblems durchaus einverstanden". Der für Einwanderungsfragen zuständige italienische Präfekt Alessandro Pansa verhandelte am Donnerstag mit der Regierung in Tripolis über die Lieferung von Schnellbooten und Radargeräten zur Überwachung der Küste.

Flüchtlingsstrom

Unterdessen hält angesichts des sommerlichen Schönwetters der Flüchtlingsstrom von Libyen nach Sizilien unvermindert an. Allein am Mittwoch landeten in mehreren Booten 266 illegale Einwanderer auf der Insel Lampedusa.

Das für 190 Insassen ausgelegte Lager auf der Insel ist mit 280 Flüchtlingen hoffnungslos überfüllt. Die Hälfte davon soll in Lager am italienischen Festland geflogen werden.

Während die Lega Nord erneut ein "hartes Durchgreifen" gegen alle illegalen Einwanderer forderte, sprach sich Außenminister Franco Frattini für Verträge zwischen der Europäischen Union und den nordafrikanischen Ländern aus, denen als Gegenleistung für die Zusammenarbeit Wirtschaftshilfe gewährt werden müsse.

Als Vorbild nannte Frattini das "fast unterschriftsreife" Abkommen zwischen Marokko und der EU. Die Übertragung der Zuständigkeit für Einwanderungsfragen an den italienischen EU-Kommissar Rocco Buttiglione könne einen "Wendepunkt in der Brüsseler Politik darstellen", versicherte Frattini. (DER STANDARD, Printausgabe, 13.8.2004)

Von Gerhard Mumelter aus Rom
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4 Postings
Plausibilitäts Check
13.08.2004 00:51
Konzentrationslager?

War das damals in Auschwitz auch so, dass Flüchtlinge aus einem Umkreis von Tausenden Kilometern in dieses Lager geströmt sind, um ein Dach über dem Kopf, Essen, Trinken und medizinsche Versorgung zu bekommen?

Die italienische Caritas scheint ein recht verklärtes Bild über den Nationalsozialismus und seine Lager zu haben...

joey .at 
13.08.2004 12:37

auch wenn der vergleich nicht unbedingt gut gewählt ist, so scheinen sie keine ahnung zu haben von italienischer innenpolitik und den dingen die da von der rechten sehr offen gesagt werden.

das eigentlich traurige an der sache ist, dass es im süden immer selbstverständlich war, dass man diesen leuten hilft. es hier kaum ausgrenzung und fremdenfeindlichkeit gab. man aber genau diese durch gezielte alleinige überlassung des problems an eine region, die sowieso nichts hat, systematisch schürt.

wie wäre es, wenn der rest europas sich des problems einfach annehmen würde, statt zuzusehen, wie ein unwirtlicher felsen im meer mit ca. 5.000 einwohnern zeitweise innerhalb von zwei wochen mit noch einmal so vielen flüchtlingen überschwemmt wird.

Plausibilitäts Check
13.08.2004 15:22
nicht unbedingt gut gewählt???

Dieser Vergleich ist eine massive Verhöhnung des Staates Deutschland, der fernab seiner Grenzen Geld, Material und Personal einsetzen will, um Menschen zu helfen, sowie aller Menschen, die durch ihre Hilfs- und Spendenbereitschaft die Flüchtlingshilfe in Lagern im Tschad und anderen Ländern erst möglich machen.

Oder will die Caritas mit solchen Aussagen die Spendenbereitschaft verwirrter Neo-Nazis anregen, die die Einrichtung von Konzentrationslagern für eine gute Idee halten?

Bis gestern war ich der Meinung, die Caritas wäre eine Hilfsorganistation.

joey .at 
15.08.2004 03:50

jaja, ein Schily bürgt halt für soziale hilfsbereitschaft.

und böhmdorfer will/wollte ja die gefängnisse in rumänien primär auch nur aus humanitären gründen.

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