Deutsche Telekom plant Dividendenausschüttung

8. September 2004, 14:03
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Unternehmen wächst stark und plant Gewinnverdoppelung 2004 - US-Mobilfunk und Breitband-Internet boomen

Wien/Bonn - Die befindliche Deutsche Telekom (DT) konnte im zweiten Quartal 2004 den Konzernumsatz um sechs Prozent auf 14,41 Mrd. Euro und das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um vier Prozent auf 4,783 Mrd. Euro steigern. Der Konzernüberschuss stieg auf 1,67 Mrd. Euro nach 256 Mio. Euro im Vorjahresquartal, teilte die DT am Donnerstag mit. Die Zahl der Telekom-Beschäftigten sank um 1,1 Prozent auf rund 248.000 Mitarbeiter weltweit.

Der größte europäische Telekomkonzern profitierte in erster Linie vom boomenden Mobilfunkgeschäft in den USA und vom anziehenden Breitband-Internetgeschäft in Deutschland. Die Festnetzsparte gab weiter leicht nach. Für das Gesamtjahr 2004 erwartet DT-Chef Kai-Uwe Ricke eine Verdoppelung des Gewinns gegenüber dem Vorjahreswert auf 2,5 Mrd. Euro. Zufrieden zeigte er sich mit dem Schuldenabbau. Bis Ende Juni verringerten sich die Finanzverbindlichkeiten auf rund 43,3 Mrd. Euro.

Keine T-Online in Österreich

In Österreich ist die DT als Eigentümer der Niederlassungen von T-Mobile, T-Systems und T-Online tätig. Letztere hatte aber vor kurzem ihr Internet-Zugangsgeschäft hier zu Lande eingestellt. Branchenmeldungen zufolge hatte sie 200.000 Kunden, denen der größte österreichische Alternative Anbieter UTA ein Umstiegsangebot machte. Österreichs zweitgrößter Mobilfunkbetreiber T-Mobile Austria hatte zu Jahresende nach Eigenangaben 2,03 Mio. Nutzer. Marktführer ist die Tochter der Telekom Austria, Mobilkom Austria.

An der Börse kletterten die DT-Aktien in einem stabilen Gesamtmarkt zu Handelsbeginn um 1,3 Prozent auf 13,53 Euro und legten gegen den Markttrend bis 14.15 Uhr um 1,5 Prozent auf 13,55 Euro zu. Frank Rothauge, Analyst bei Sal Oppenheim, warnte jedoch: "Bei dem hohen Konzernüberschuss ist Skepsis angebracht, da außerordentliche Posten enthalten sind." Das Unternehmen will heuer wieder eine Dividende ausschütten, deren Höhe soll spätestens Mitte November bekannt gegeben werden. Die Telekom hatte wegen ihrer damals noch immens hohen Verschuldung von bis zu rund 70 Mrd. Euro die Dividende im Geschäftsjahr 2001 gekürzt und von 2002 an gestrichen. Zuletzt hatte sie den Anteilseignern 0,37 Euro je Aktie gezahlt.

Aktionärsschützer: fair

Aktionärsschützer bezeichneten einen Betrag von rund 30 Cent pro Anteil als fair. Damit würde die Telekom die Hälfte ihres Nettogewinns ausschütten. Nach den Worten von Finanzchef Karl-Gerhard Eick wird die DT vom Großaktionär Bund keine Aktien zurückkaufen, um den Aktienüberhang in der Hand des Bundes zu reduzieren.

Ein kräftiges Wachstum verspricht sich die Telekom vor allem in den USA und auf dem deutschen Breitband-Internetmarkt. Die wegen des hohen Kaufpreises bei Investoren lange in der Kritik stehende US-Mobilfunktochter T-Mobile USA erwartet bis zum Jahresende einen Kundenzuwachs auf 17 Millionen Nutzer (Vorjahr 13,1 Millionen), bisher waren 16 Millionen prognostiziert. Die Zahl der schnellen Internet-Anschlüsse (DSL, in Österreich ADSL) soll in Deutschland bis Ende Dezember auf "mindestens 5,6 Millionen" steigen. 2003 waren es vier Millionen DSL-Nutzer.

UMTS belastet

Belastet wurde das Ergebnis durch die Inbetriebnahme der Funknetze für die dritte Mobilfunkgeneration UMTS, da sich das Interesse an multimedialen Handydiensten in Europa noch stark in Grenzen hält. In Österreich, wo besonders früh mit UMTS gestartet wurde, bietet derzeit nur "3" (Hutchison) den Dienst aktiv an, obwohl bereits alle Lizenzinhaber über eine 25-prozentige Netzabdeckung des Landes verfügen.

Die Führung der Festnetzsparte T-Com will Ricke nach dem Rücktritt von Josef Brauner wegen des Deutschen Lkw-Maut-Debakels im März selbst in der Hand behalten. Bei der Maut ist der Starttermin Anfang 2005 laut Ricke zu schaffen.

Ricke kündigte eine neue Konzernstruktur ab 1. Jänner 2005 an. Die Telekom wird dann die bisherigen Einteilung in die "vier Säulen" Festnetz, Mobilfunk, Internet und Systemhaus aufgeben. Ein möglicher Börsegang von T-Mobile sei derzeit auf Eis gelegt, so Ricke.(APA/Reuters/dpa)

  • Die Deutsche Telekom will heuer wieder eine
Dividende ausschütten, deren Höhe soll spätestens Mitte November
bekannt gegeben werden.
    foto: epa/scheidemann

    Die Deutsche Telekom will heuer wieder eine Dividende ausschütten, deren Höhe soll spätestens Mitte November bekannt gegeben werden.

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