Grüner EU-Parlamentarierer: Einziger Trost sei "pompöser Titel" - SPÖ-Cap: "EU-Kompetenzsalat"
Wien - Außenministerin Benita Ferrero-Waldner (V) nehme in
der neuen EU-Kommission nur die Stelle einer "Platzhalterin" ein. So
kommentierte der Grüne EU-Mandatar Johannes Voggenhuber die
Bestellung von Außenministerin Benita Ferrero-Waldner (V) zur
Leiterin des Ressorts für EU-Außenbeziehungen und europäische
Nachbarschaftspolitik. "Es ist ein schöner und pompöser Titel, aber
in Wahrheit handelt es sich um eine Stelle, die abgeschafft werden
soll", sagte Voggenhuber am Donnerstag der APA.
"Eine Art Assistentin"
Die Botschaft laute: Der bisherige EU-Außenpolitikbeauftragte
Javier Solana "macht die Außenpolitik". Er sei auch der "reale
Außenminister". Der designierte Präsident der EU-Kommission, Jose
Manuel Barroso, werde durch seine Koordinierungsaufgaben rechtliche
Schwierigkeiten beseitigen und dafür sorgen, dass die Politik von
Solana umgesetzt werde. Ferrero-Waldner sei somit nur eine
"Platzhalterin und eine Art Assistentin". "Eine seltsame
Konstruktion." Die Nominierung der Außenministerin sei nur eine "rein
formale" Sache gewesen. "Der einzige Trost für Ferrero-Waldner: Es
ist ein pompöser Titel", so Voggenhuber.
Cap kritisiert "EU-Kompetenzsalat"
SP-Klubobmann Josef Cap sieht die Bestellung als
"Ausdruck eines EU-Kompetenzsalates". Neben dem derzeitigen
Außenpolitik-Beauftragten, Javier Solana, und Kommissions-Präsident
Jose Manuel Durao Barroso Barroso drohe Ferrero-Waldner "zu einer Art
EU-Staatssekretärin für die Nachbarländer" zu werden, so Cap am
Donnerstag gegenüber der APA.
Cap verwies auch darauf, dass Solana ab 2006 auch offiziell
EU-Außenminister sein wird. Ferrero-Waldners Position sei daher eine
"mit zeitlicher Beschränkung und beschränkten Mitteln". Er sieht
Österreichs Position in der EU keineswegs aufgewertet, wie das etwa
FP-Klubobmann Herbert Scheibner sieht. Franz Fischler sei bisher mit
dem Landwirtschafts-Ressort für rund 50 Prozent des EU-Budgets
verantwortlich gewesen. Von einer Aufwertung könne daher sicher nicht
gesprochen werden.
"Unverständliche Geheimniskrämerei"
Neuerliche Kritik übte Cap an Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V),
weil dieser in der gestrigen Sitzung des Hauptausschusses nicht über
die Ressortzuständigkeit informiert habe. "Ich kann beim besten
Willen nicht glauben, dass Schüssel gestern noch nicht wusste, was
Barroso 24 Stunden später präsentiert". Cap sprach von einer
"Brüskierung des Hauptausschusses" und einer "unverständlichen
Geheimniskrämerei". (APA)