Stephansdom-Sanierung: Präzisionsarbeit in luftiger Höhe

23. Februar 2005, 16:18
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Südturm-Fassade des Wiener Wahrzeichens wird generalüberholt

Der Südturm des Wiener Stephansdoms ist seit Dezemberdes Vorjahres durch Werbetransparente verhüllt. Dahinter, auf einem20 Geschoße umfassenden Baugerüst, herrscht rege Aktivität, wie einAPA-Besuch gemeinsam mit Dombaumeister Wolfgang Zehetner zeigte.Insgesamt dreieinhalb Jahre wird an der Sanierung dieses Bereichs desTurms gearbeitet. Die Kosten betragen bis zu vier Millionen Euro.

Die Mitarbeiter der Dombauhütte leisten dort zusammen mitFremdfirmen Präzisionsarbeit: In weißen Schutzanzügen entfernen sieVerschmutzungen, dann werden Schäden und Risse genauestensdokumentiert. Beginn der Arbeiten am Südturm war im Jahr 1998, als inTeilbereichen akute Einsturzgefahr bestand. Seit vergangenem Herbstist nun der Süd- und Westteil an der Reihe.

"Praktisch nur noch Sand"

Für die Erhaltung gilt es, Sinterkrusten schonend abzunehmen, denOriginalstein zu festigen bzw. zu ergänzen. Bei völliger Zerstörungwerden die Teile in langwieriger Steinmetzarbeit ersetzt.

Geschädigt wird der aus Meeressedimenten geformte Kalksandsteindes Doms vor allem durch sauren Regen bzw. die saure Atmosphäre.Kalk, das Bindemittel des Steins, wird herausgelöst. Es entstehtGips, der als schwarze Kruste sichtbar wird. "Darunter ist dannaufgelöster Kalkstein, das ist praktisch nur noch Sand", so Zehetner.

Die Arbeit in Höhen zwischen 60 und 90 Metern ist für die Leuteder Bauhütte längst Routine geworden. Trotzdem: "Keine Höhenangst zuhaben, ist ein Einstellungskriterium", betonte Zehetner. Der50-jährige Architekt hat auch selbst als eine seiner erstenHandlungen den Turm bis zur obersten Spitze bestiegen, als er 1993Dombaumeister wurde. Auch heute ist er regelmäßig in luftiger Höheunterwegs.

Spendengelder

Im derzeitigen Arbeitsbereich geht es um Bausubstanz vor allem ausdem 15. Jahrhundert. Im Jahr 1433 war der Südturm vollendet, nachdembereits 1359 der Grundstein gelegt worden war. Der Turm war damalsder höchste der Welt, so Zehetner, der Rekord hielt allerdings nursechs Jahre. Bereits im Jahr 1439 wurde der Stephansdom vomStraßburger Münster mit seinem 142 Meter hohen Nordturm übertrumpft.

Bei der derzeitigen Sanierung wird nebenbei auch an einemEU-Projekt zur Erfassung von Steinmetzzeichen gearbeitet. Aus deneingeritzten Signaturen der Arbeiter lassen sich baugeschichtlicheZusammenhänge rekonstruieren. So weiß man etwa, dass einst ganzeSteinmetz-Partien vom Prager Veitsdom zum Stephansdom wechselten.

Der Südturm ist keineswegs der einzige Bauteil der mehr als 850Jahre alten Kirche, an dem gerade gearbeitet wird. WeitererSchwerpunkt ist die Sanierung des Albertinischen Chors, nächstesProjekt ist die Restaurierung der Fassade der Barbarakapelle. ImInneren läuft die Restaurierung des barocken Peter- und Paul-Altars.

Das Geld für die Domsanierung stammt zu einem großen Teil ausSpenden: Allein der Verein "Rettet den Stephansdom" sammelte imVorjahr mehr als 1,24 Mio. Euro. Daneben leisten der Bund, dieGemeinde Wien und die Erzdiözese ihren Beitrag. Insgesamt müssen lautKathpress jedes Jahr rund 2,2 Millionen Euro aufgebracht werden. (APA)

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