AK drängt auf Ausbau der 380-kV-Stromleitung

19. September 2004, 18:40
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Schwache Nord-Süd-Verbindungen können zur Gefahr für Versorgungssicherheit werden - Neue Kraftwerke nötig

Wien - Zur Versorgungssicherheit für dringend notwendig hält die Arbeiterkammer den Ausbau der Nord-Süd-Verbindung im österreichischen Hochspannungsnetz, also den Lückenschluss der 380-kV-Leitung zwischen dem Südburgenland und dem steirischen Kainachtal.

Die Stromversorgung wäre innerhalb der nächsten zehn Jahre gefährdet, wenn es nicht ausreichend sichere Stromnetze gibt, sagte AK-Energieexperte Ditmar Wenty am Mittwochabend bei einer Pressekonferenz anlässlich der Präsentation einer Studie zur Sicherung der heimischen Elektrizitätsversorgung. Angesichts des steigenden Stromverbrauchs seien auch neue Kraftwerkskapazitäten nötig.

Kapazität und Netz reichen bis 2010

Erzeugungskapazität und Netz reichten bis 2008/2010, dann könne es zu dramatischen Situationen kommen, warnte Studienautor Heinz Stigler, Professor am Institut für Elektrizitätswirtschaft und Energieinnovation an der Technischen Universität Graz.

Das System sei dann an seinem technischen Ende angelangt, es müssten dann Lösungen überlegt werden wie etwa Stromumleitungen oder die Begrenzung des Transports vom Norden in den Süden. Die Leitung müsste 2007 fertig sein.

Akzeptanz sei bei solchen Projekten wichtig, betonte Wenty. Denkbar seien auch kleinere Umwege, um verbautes Gebiet zu umgehen. Irgendwann müsse ein Verfahren aber ein absehbares Ende haben.

Nord-Süd-Gefälle

Laut Verbund gibt es im Norden Österreichs einen Kapazitätsüberhang von 1.800 MW, während im Süden 1.400 MW fehlen. Die derzeitigen Kostenunterschiede für die Stromversorgung im Norden und Süden Österreichs könnten durch den 380-kV-Lückenschluss beseitigt werden, so Stiegler.

Die beschränkte Transportkapazität verhindere, dass Strom aus den kostengünstigeren Kraftwerken im Norden in den Süden Österreichs geliefert werden. Durch den Bau der Leitungsverbindung könnte auch im Süden eine entsprechend kostengünstigere Stromversorgung ermöglicht werden.

30 Millionen Euro pro Stunde ohne Strom

Eine Stunde Stromausfall koste rund 30 Mio. Euro. Die Investitionskosten für die so genannte "Steiermark-Leitung" liegen bei 120 Mio. Euro. Freileitungen seien zu bevorzugen, Schäden könnten innerhalb eines Tages repariert werden. Bei Kabelleitungen könne dies bis zu zwei Monate dauern.

Auch der Bau eines neuen Kraftwerkes in Südösterreich entschärft nach Ansicht Stiglers diese Problematik nicht. Ohne den 380-kV-Lückenschluss könnten im bei einer Netzüberlastung im Jahr 2010 volkswirtschaftliche Mehrkosten von bis zu 400.000 Euro an einem Tag entstehen.

Mit der Hochspannungsleitung wären es nur maximal 1.500 Euro. Ausgegangen wird in diesem Berechnungen davon, dass die vor der Schließung stehenden Braunkohle-Kraftwerke St. Andrä und Voitsberg vom Netz sind.

Europa hilft aus

Im UCTE-Netz gebe es bereits jetzt Leitungsengpasssituationen in den Niederlanden, Italien, in Richtung iberische Halbinsel und zum Teil in Skandinavien. Bei Problemen springe ganz Europa mit Kraftwerkskapazitäten ein, dafür seien funktionierende Übertragungsnetze wichtig. Seit 1. Juli gebe es eine EU-Verordnung über den entsprechenden Umgang mit Engpässen, die Probleme seien offensichtlich erkannt.

Der Strombedarf werde trotz Sparmaßnahmen um 2 bis 3 Prozent jährlich steigen. Auch neue Kraftwerke seien in Europa nötig. In Österreich steige der Stromverbrauch um 1,6 Prozent jährlich, so Wenty. Aufgebracht würden rund 54 TWh, jene Menge, die in Österreich verbraucht wird. Bis 2010 werde der Verbrauch um 6 TWh steigen, das Wiener Donaukraftwerk Freudenau beispielsweise erzeuge 1 TWh pro Jahr. Ein Kraftwerksplanung sei bereits jetzt nötig.

Beim Bau kalorischer Kraftwerke sei die Kombination mit Fernwärme in der Nähe von Ballungszentren ideal. Günstig sei beispielsweise das Verbund überlegte 800 MW-Gaskraftwerk in Mellach in der Nähe von Graz. Für Stigler ist in Österreich der Ausbau aus Wasserkraft sinnvoll, so könnten etwa viele Kleinwasserkraftwerke revitalisiert und Kraftwerke in den Alpen ausgebaut werden. Hainburg sei allerdings ein "Nicht-Kraftwerk". (APA)

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