Gentechnik im Kaffeesatz

30. September 2004, 22:49
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Brasilianer knacken genetischen Kode der Bohne und sehen Potenzial

Nach der erfolgreichen Entschlüsselung des genetischen Kodes der Kaffeebohne hat Brasilien die größte Gendatenbank der Welt für Kaffee ins Leben gerufen. Die Datensammlung werde sowohl für die Konsumenten als auch für die Produzenten nützlich sein, erklärten Wissenschaftsexperten der Regierung in Brasilia.

Die Züchtung von Pflanzen, die widerstandsfähiger gegen Schädlinge sind, werde erleichtert. Auch könnten aromatischere Bohnen herangezüchtet werden. Brasilien ist weltgrößter Produzent und Exporteur von Kaffee.

"Fast völlig frei" von Koffein

Eine weitere Möglichkeit tut sich auf: Koffeinfreie Kaffeebohnen sollen demnächst direkt vom Strauch geerntet werden können, verheißt ein brasilianisches Forscherteam nach umfangreichen genetischen Studien an der Kaffeepflanze. Die Forscher fanden bei der Untersuchung von 3000 Kaffeesträuchern der weltweit am meisten genutzten Art Coffea arabica heraus, dass durch Mutationsprozesse bisweilen Pflanzen vorkommen, deren Bohnen "fast völlig frei" von Koffein sind. Sie benannten diese Varianten als AC1, AC2 und AC3.

Die Suche nach Möglichkeiten zur Produktion koffeinfreien Kaffees ist nicht neu. Das Marktpotenzial beträgt rund zehn Prozent des weltweiten Kaffeeabsatzes - knapp sechs Mrd. Euro im Jahr. Sie streben an, die gefundenen Varianten AC1, AC2 und AC3 für die Kreuzung von Kaffeesträuchern zu nutzen. Damit würden sie die Einwände der Gegner der Gentechnik umgehen.

Kaffee wird weltweit in rund 60 Ländern produziert und bildet die Lebensgrundlage von rund 25 Mio. Familien. Österreich gehört zu den Spitzenreitern beim Kaffeekonsum mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von deutlich mehr als acht Kilo im Jahr. (AFP, red/DER STANDARD; Printausgabe, 12.8.2004)

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    Im Bild - Original brasilianische Kaffeebohnen.

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