Veränderte Gene im Futtersoja: Greenpeace greift die AMA an

30. September 2004, 22:49
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Greenpeace kritisiert das AMA-Gütesiegel - AMA-Nutztiere würden mit Gentech-Soja gefüttert, obwohl es Alternativen gäbe

Wien - Beim Fleisch sei das Vertrauen der Konsumenten zum Gütesiegel der Agrarmarkt Austria (AMA) besonders groß, erläutert Axel Grund von der Umweltschutzorganisation Greenpeace. Bei einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Isma vom Juli 2004 seien 62 Prozent der Kontaktierten "sehr sicher" oder "eher sicher" gewesen, dass Nutztiere von den AMA- Bauern "absolut nicht mit gentechnisch verändertem Futter gefüttert" werden dürften.

Diese Menschen befänden sich im Irrtum, betont Grund. Zwar bestehe der Hauptanteil des AMA-Nutztierfutters aus Mais österreichischer - und somit garantiert gentechnikfreier - Provenienz. Der kleine Anteil notwendiger Eiweißfutterstoffe jedoch werde "mittels Importsojas" gedeckt: 90.000 Tonnen pro Jahr, hauptsächlich aus Argentinien, wo man in der Landwirtschaft seit Jahren massiv auf Gentechnik setzt.

Um dieses Problem mit der verbreitetsten heimischen Lebensmittelgarantiemarke aufzuzeigen, werde Greenpeace "ab kommenden Montag massiv an die Öffentlichkeit gehen", kündigt Grund nun an. Schon in den vergangenen Wochen habe man der AMA insgesamt 1800 Protest E-Mails zukommen lassen: Zwar sei der Gentechnikanteil auf den Soja-Futterchargen vermerkt, beim Fleisch und den Fleischprodukten jedoch fehle jeder Hinweis.

Soja aus Brasilien

Trotz monatelanger Gespräche" habe die AMA überdies keine konkreten Schritte unternommen, um ihren 8000 Vertrags-Fleischbauern Ersatz für das Gentechfutter zu bieten. Obwohl es - so Grund - Alternativen gäbe: "Soja aus Brasilien, wo 97 Prozent des Anbaus mit konventionellem Samen erfolgt."

Bei der AMA weist Zentralensprecherin Martina Mayerhofer als Erstes auf die herrschenden EU-Regeln hin. Diese würden Fleisch und Milch nicht ohne Grund von der Gentech-Kennzeichenpflicht ausnehmen. Auf dem internationalen Markt, so Mayerhofer, sei es schwer, Soja mit Gentechnikfreiheit-Garantie zu bekommen. Auch Soja aus Brasilien weise meist keine derartige Garantie auf.

Im Gefolge der Gespräche mit Greenpeace, die von den Umweltschützern laut eigenen Angaben mangels Resultaten abgebrochen worden sind, hat die AMA intern zudem eine Machbarkeitsstudie für Gentechnik freie Sojafutterimporte in Auftrag gegeben. Im September, so Mayerhofer, werde man schon Näheres wissen. (Irene Brickner/DER STANDARD, Printausgabe, 12.8.2004)

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    Laut Wissenschaft verändert Gentechfutter die Fleisch-Qualität von Schweinen und Rindern nicht. Die Fleischesser sind trotzdem skeptisch.

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