Niki Lauda zieht sich aus Aufsichtsrat zurück

8. September 2004, 13:52
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Gewerkschaft spricht von "Unterjochung der Aufsichtsräte durch Politik" - Aufsichtsratspräsident weist Vorwürfe zurück

Wien - Niki Lauda zieht sich aus dem Aufsichtsrat der ÖBB zurück. Aufsichtsratspräsident Wolfgang Reithofer bestätigte am Mittwoch einen "News"-Bericht, wonach Lauda bei der nächsten Aufsichtsratssitzung am 27. August das Kontrollgremium verlassen wird.

Der Airline-Chef und dreifache Formel 1-Weltmeister war erst am 31. März dieses Jahres in den ÖBB-Aufsichtsrat geholt worden. Laut Reithofer hätten die ÖBB Lauda mehr Zeit abverlangt als ursprünglich erwartet. Außerdem müsse sich Lauda verstärkt um seine Fluglinie "Niki" kümmern, die derzeit stark expandiere, so Reithofer.

Anhaltende politische Interventionen

"News" schreibt hingegen, dass für Laudas Rückzug vor allem anhaltende politische Interventionen ausschlaggebend gewesen seien. Gleich mehrere ÖBB-Aufsichtsräte würden inoffiziell bestätigen, dass der Polit-Druck kräftig gestiegen sei.

Das gelte sowohl für bereits beschlossene Personalrochaden als auch für die derzeitige Suche nach Geschäftsführern für ÖBB-Töchter und einem neuen Vorstandsmitglied für die ÖBB-Holding.

Der Vorsitzende der Eisenbahnergewerkschaft und ÖBB-Vizeaufsichtsratschef, Wilhelm Haberzettl, sprach am Mittwoch in einer Reaktion gar von einer "Unterjochung der Aufsichtsräte durch die Politik".

Der politische Einfluss bei den ÖBB habe mittlerweile ein unerträgliches Ausmaß erreicht. Es sei "selbstverständlich, dass ein Fachmann wie Lauda ständige Bevormundung nicht erdulden kann und will".

Reithofer weist Vorwürfe zurück

Reithofer weist diese Spekulationen zurück: Er könne sich nicht vorstellen, dass Laudas Rückzug einen politischen Hintergrund gehabt habe.

Einig sind sich Reithofer und Haberzettl nur über die Qualitäten Laudas. Selbst in seiner kurzen Amtszeit sei Lauda "gut für die ÖBB" gewesen. Als "Querdenker" habe er "mit kurzen Statements oft zum Nachdenken im ÖBB-Aufsichtsrat angeregt", so Reithofer.

Und Haberzettl meint, dass Lauda "einen sachlichen und objektiven Zugang zu den Problemen der ÖBB" gezeigt habe und dass er "ernsthaft bemüht" gewesen sei, "konstruktive Lösungen im Sinne des Unternehmens zu finden".

Lauda selbst war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Sein Nachfolger steht noch nicht fest. (APA)

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