Olympia gibt griechischer Wirtschaft Extra-Schub

10. September 2004, 13:34
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Aber Staatshaushalt kommt durch die Milliarden-Investitionen in Sportstätten und Infrastruktur in Schieflage

Berlin - An den Olympischen Spielen in Athen erfreuen sich nicht nur Sportfans in aller Welt, sondern auch die griechische Wirtschaft. Die am Freitag beginnenden Spiele geben der seit Mitte der 90er Jahre kräftig wachsenden griechischen Ökonomie einen zusätzlichen Wachstumsschub. Allerdings kommt durch die Milliarden-Investitionen in die Sportstätten und Infrastruktur auch der Staatshaushalt in Schieflage.

Mit einem Wirtschaftswachstum von real 4,3 Prozent durfte sich Griechenland bereits im vergangenen Jahr über den ersten Platz in der Europäischen Union (EU) freuen. Zum Vergleich: In Deutschland war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,1 Prozent gefallen, im EU-Durchschnitt (EU) um lediglich 0,8 Prozent gestiegen.

3,7 Prozent Wachstum für 2004

Auch für dieses Jahr sehen die Prognosen rosig aus. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erwartet ein BIP-Plus von vier Prozent, die griechische Regierung von 3,7 Prozent.

Das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) führt das starke Wachstum in erster Linie auf die Investitionen zurück, die allein im vergangenen Jahr um mehr als zwölf Prozent zugelegt hätten. So seien, um die Olympischen Spiele möglich zu machen, rund sechs Mrd. Euro oder vier Prozent des BIP investiert worden.

Hinzu kommt die ungebrochene Konsumfreude der Griechen. 2003 stieg der private Konsum um vier Prozent, für dieses Jahr sagt die OECD ein Plus von 3,8 Prozent voraus.

Wirtschaft wird weiter wachsen

Die griechische Wirtschaft dürfte auch nach der Olympiade relativ zügig wachsen. Während die griechische Notenbank das Wachstum weiter bei vier Prozent sieht, rechnet die OECD im nächsten Jahr mit einer Abschwächung des BIP-Zuwachses auf 3,5 Prozent.

Der griechische Wirtschaftsboom hat allerdings auch Kehrseiten. So lag die Inflation 2003 bei 3,4 Prozent und wird sich nach OECD-Berechnungen auch in diesem und im nächsten Jahr kaum abschwächen. Verschärft wird der Effekt durch die gestiegenen Löhne, die die Arbeitnehmer angesichts des Zeitdrucks vor der Olympiade durchsetzen konnten.

Reallöhne um 4,5 Prozent gestiegen

Nach IW-Angaben stiegen die Reallöhne in den vergangenen beiden Jahren um 4,5 Prozent an: "Der damit verbundene Schub der Lohnstückkosten dürfte den griechischen Exporteuren das Leben zusätzlich schwer machen."

Der Investitionsboom schlägt sich auch im griechischen Staatshaushalt nieder. Gemessen am BIP hatte das Defizit im vergangenen Jahr die Drei-Prozent-Marke der EU gestreift. Für 2004 erwartet die OECD ein Defizit von 3,2 Prozent, im nächsten Jahr von 2,9 Prozent - vorausgesetzt, die Renten- und die Steuerreform im Geburtsland der Olympiade geht weiter. (APA/Reuters)

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