Gründer-Boom bei Kleinstunternehmen

27. September 2004, 13:45
posten

Über 19.000 neue Firmen zum Halbjahr - Die meisten neuen Unternehmen entstanden in den Bereichen Handel und Gewerbe

Wien - Die Hoffnungen von Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl nach einem anhaltenden Gründerboom scheinen sich zu erfüllen: Zum Halbjahr verbuchte Österreich 19.163 Unternehmensneugründungen. Das sind fast zwölf Prozent mehr als im Juni 2003, als das Gesamtjahr mit 30.300 Gründungen einen Rekord gebracht hatte.

Handel führend

Die meisten neuen Unternehmer gibt es wie im Vorjahr in den Bereichen Handel (29 Prozent) und Gewerbe/Handwerk (28 Prozent). IT und Consulting sind mit rund 24 Prozent ebenfalls gleich geblieben. Das sind allerdings nur die Daten jener, die Gewerbescheine lösen. Geschätzte Tausende tun das nicht, entweder weil sie nicht müssen (Trainer etwa oder Hebammen) oder weil sie Selbstständigkeit erst einmal ausprobieren und sich dann erst für adäquate Strukturen entscheiden.

Gegen beide Gruppen steht der Vorwurf im Raum, durch die miese Arbeitsplatzlage in eine Art labiler Selbstständigkeit gezwungen worden zu sein. "Stimmt nicht", sagt Walter Gröblinger von der Jungen Wirtschaft und hat die Motivstudie parat: Fast 71 Prozent der "neuen Selbstständigen" wollten selbst Chef sein. 64 Prozent haben sich immer schon mit dem Gedanken einer eigenen Firma getragen, und elf Prozent geben an, "eher gedrängt" worden zu sein. Entsprechend skeptisch in Bezug auf die Lebensdauer fällt auch der Blick des Kreditschutzverbandes von 1870 (KSV) auf den Boom der Mikrobetriebe quer durch alle Branchen aus.

Arbeitsplätze und Folgeeffekte

Ausgehend von den Daten 2002 hat allerdings die Uni Klagenfurt errechnet, dass 77.000 Arbeitsplätze solcherart geschaffen und weitere 97.000 indirekt durch das neue Geschäft erhalten wurden. Durchschnittlich erarbeiteten die "Neuen" demnach 174.000 Euro Wertschöpfung und 324.000 inklusive "Folgeeffekten".

Da setzt auch Wirtschaftscoach Christine Bauer-Jelinek in Wien an. Sie plant die Gründung eines bundesweiten Institutes für Mikrobetriebe, "analog zum Institut für KMU". Eine Studie gemeinsam mit Ernst Gemacher (sozialwissenschaftliche Studiengesellschaft) soll demnächst anlaufen. Bauer-Jelinek hat selbst den Schritt von größer zu kleiner gemacht und arbeitet jetzt, nach ihrer Wiener Trainerakademie mit 25 Mitarbeitern, nur noch mit zwei Teilzeitkräften.

Es gebe, sagt sie, weder adäquate Rahmenbedingungen noch eine Lobby für diese wachsende Zahl an neuen Unternehmungen, und: "Der Trend geht weiter dorthin." (Karin Bauer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.7.2004)

Share if you care.