Hoher Ölpreis frisst Lohnsteigerungen

9. September 2004, 13:18
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Inflation in Österreich steigt - Treibstoff für Gewerkschafts­forderungen in Herbstlohnrunde

Wien - In Österreich übertraf die erdölpreisbedingte Inflation zuletzt bereits die durchschnittlichen effektiven Lohnsteigerungen von zwei bis 2,5 Prozent, errechnete das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo). Laut Ewald Walterskirchen, Konjunkturexperte im Wifo, lag die Inflationsrate im Juni bei 2,3 Prozent, nachdem Benzin und Diesel um gut 15 Prozent teurer waren als vor einem Jahr. Im Juli rechnet der Experte mit einem noch stärkeren Anstieg.

Damit steht den heimischen Lohnverhandlern ein sprichwörtlicher heißer Herbst ins Haus: Die Juliinflation dient nämlich den Gewerkschaften als Basis für ihre Forderungen für die kommende Runde. Detail am Rande: Laut Statistik Austria sind Treibstoffe in Österreich, inflationsbereinigt gesehen, günstiger als noch vor 20 Jahren.

Ölpreis wird Konjunktur nicht abwürgen

Es sei jedenfalls unwahrscheinlich, dass mit den hohen Ölpreisen allein die Konjunktur abgewürgt werde, außer die Börsen "reagieren hysterisch; das Risiko ist gestiegen", sagt Walterskirchen. Sollte der Rohölpreis dauerhaft auf rund 40 Dollar (32,7 Euro) je Fass bleiben, dürfte dies das Wirtschaftswachstum in den Industrieländern nur relativ wenig dämpfen, so Walterskirchen. Bei einem dauerhaften Anstieg auf 50 Dollar bestehe allerdings die Gefahr, dass die Börsen ähnlich wie vor zwei Jahren absacken und dies den Konjunkturaufschwung stoppen. Walterskirchen rät allerdings, sich nicht "von einzelnen Spitzenwerten ins Bockshorn jagen zu lassen". Es sei nicht ausgeschlossen, dass sich die Situation im Herbst wieder beruhigen werde.

In ihrer Konjunkturprognose vom Juni sind die Wifo-Experten von einem Rohölpreis von 34,5 Dollar je Barrel ausgegangen. Ein dauerhafter Anstieg der Rohölpreise um 5 Dollar bewirkt laut Modellrechnung eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums um 0,1 bis höchstens 0,2 Prozentpunkte. (DER STANDARD Printausgabe 11.08.2004)

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    WIFO-Budgetexperte Ewald Walterskirchen

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    Sollte der Rohölpreis dauerhaft auf rund 40 Dollar (32,7 Euro) je Fass bleiben, dürfte dies das Wirtschaftswachstum in den Industrieländern nur relativ wenig dämpfen, so Walterskirchen. Foto: Ein Arbeiter auf einem Tanklager in Deutschland

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    foto: derstandard.at /schueller
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