Festspiel-Liebemacher: Gottschalks Ignoranz als gottgewolltes Geschenk

13. September 2004, 21:29
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Der ORF hat einen unerschütterlichen Beschluss gefasst: Die diesjährigen Salzburger Festspiele haben ein Erfolg zu werden!

Der ORF hat einen unerschütterlichen Beschluss gefasst: Die diesjährigen Salzburger Festspiele haben ein Erfolg zu werden! Darwiderhandeln wird nicht zur Kenntnis genommen. Längst reicht das plane Kunstwollen von Hofmannsthals und Reinhardts Nachfolgern nicht mehr aus, um Salzburgs Fluidum zu genießen. Der Glanz eines bayerischen Modemachers mit einem Mopp am Kopf und einem Yorkshire in der Hand bietet leider auch keinen Grund, die Verschwisterung von Kunst und Kommerz zum Fanal gediegener Kulturausübung hochzudichten.

Also hilft der ORF nach. Meldet atemlos, dass der Krimpelstätter zum Ende der Saison schließt. Namenloses Entsetzen auf den Gesichtern der Berichterstatter. Man überträgt den Rosenkavalier im Fernsehen - und befragt sicherheitshalber alle Umstehenden, ob sie auch wirklich mitbekommen hätten, dass der dritte Akt im Puff spiele. Wahrhaftig: im Puff! Ein erschlaffter Pimmel schlenkerte über die Bühne des Festspielhauses, und Thomas Gottschalk, Marcel Prawys posthume Rache an der Verluderung des Musiktheaterbetriebs, lud den Inhaber der männlichen Pracht auf seine Couch.

Gottschalk, der seine Ignoranz als gottgewolltes Geschenk an die Allgemeinheit versteht, bat auch Anna Netrebko zu sich. Was sie in den Stunden der Liebe denn für Musik höre, wollte er von ihr wissen. Netrebkos Nasenflügel bebten kurz. Gottschalk selbst hört beim Liebemachen übrigens Deep Purple. Entsprechend zartfühlend seine Annäherung an die Gesangsgoldkehle. (poh/DER STANDARD; Printausgabe, 11.8.2004)

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    foto: orf
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