Jelinek: "Es dürfen sich keine Parallel-Sprachwelten ausbilden"

20. August 2004, 15:37
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Ruiss: "Verordnungsweg" hat sich nicht durchgesetzt - Hintze: "In Sachen 'Rechtschreibreform' einen Schlußstrich ziehen"

"Das ist der Anfang vom Ende der unsinnigen Rechtschreibreform, die eine Sprachverarmung bedeutet und eine reine Bürokraten-Beschäftigungsaktion ist," begrüßt Elfriede Jelinek die Entscheidung deutscher Verlage, zur alten Rechtschreibung zurückzukehren. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Österreich stur daran festhält, wenn Deutschland zurückwechselt. Es dürfen sich keine Parallel-Sprachwelten ausbilden, letztendlich muss die Vernunft siegen. Ich werde im jedem Fall die alte Schreibung weiter verwenden, wie ich es immer getan habe. Ich persönlich bin nie unter Druck geraten, denn ich hatte immer die Freiheit, mir die Schreibweise auszusuchen."

Als "letztmöglichen Zeitpunkt, die Reform, die immer schon in eine falsche Richtung gegangen ist, zu stoppen" beurteilt Gerhard Ruiss (IG Autorinnen Autoren) die Entwicklungen. "Noch sind wir in der Frist, nächstes Jahr wäre es zu spät gewesen." Österreich werde an der Debatte zwangsläufig teilnehmen müssen, "weil die wirtschaftliche Situation verschränkt ist." Von Anfang an sei "an den beruflichen Sprachanwender vorbei reformiert" worden, die deutschen Medien hätten nun gezeigt, dass sie sich auf dem "Verordnungsweg" eine derartige Umstellung nicht aufzwingen lassen. "Hier wurde mit massiver öffentlicher Unterstützung etwas durchgesetzt, was sich sonst nicht so schnell etabliert hätte." Die zusätzlichen Kosten, etwa für die Schulbuchverlage, die eine Umstellung auf die alte Rechtschreibung mit sich bringen würde, seien aber geringer, als die laufende Anpassung "an immer wieder erforderliche, neue Reformschritte."

Christian Ide Hintze, Autor und Leiter der "schule für dichtung" äußert sich in einer eigenen Aussendung zur Rechtschreibdebatte: "Ich finde, wir sollten in Sachen 'Rechtschreibreform' einen Schlußstrich ziehen, die Dinge so nehmen wie sie nun einmal sind, nicht noch einmal Millionen für neue Schulbücher zum Fenster hinauswerfen und im übrigen die Angelegenheit jenen überlassen, die sie ursprünglich auch angezettelt haben. Sollen sich doch die Deutschen den Kopf darüber zerbrechen, was 'gutes Deutsch' ist und uns inzwischen mit unseren Austriazismen, Viennenses usw. in Ruhe lassen!" (APA)

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