Olympia wird weiblicher

1. September 2004, 12:00
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Gianna Angelopoulos-Daskalaki ist Präsidentin des Organisations-Komitees bei den Olympischen Spielen

Es wird schon Hand in Hand gegangen sein, dass sich Gianna Angelopoulos-Daskalaki zur Retterin der am Freitag in Athen anhebenden Olympischen Spiele aufschwingen konnte und dass gleichzeitig die Kosten der Spiele um dreißig Prozent auf sechs Milliarden Euro stiegen.

Im Mai 2000 setzte Griechenlands sozialdemokratische Regierung mit Angelopoulos-Daskalaki eine ausgewiesene Konservative als Präsidentin des Organisationskomitees (Athoc) ein und damit auf die wohl letzte Chance, die Vorbereitungen auf Schiene zu bringen, nachdem zuvor drei Jahre lang nichts weitergegangen war. "Gianna", wie die Griechen sie nennen, hatte schon als Chefin der Kandidatur einen guten Job gemacht - 1997 gewann Athen das Duell mit Rom und erhielt den Zuschlag. Drei Jahre später griff man nolens volens auf Angelopoulos-Daskalaki zurück und ließ ihr völlig freie Hand.

Bescheidenheit

Die 49-jährige Juristin stellt ihr Licht gern unter den Scheffel. "Ich habe doch nur", sagt sie, "koordiniert, Talente erkannt und richtig eingesetzt. Manchmal fühle ich mich wie ein Pionier. Ich mache den Weg frei, und dann können wir weitermachen." Politik hat sie, die aus Kreta stammt und in Thessaloniki studierte, im kleinen Finger. Mit 31 saß sie für die konservative Oppositionspartei Nea Demokratia im Athener Stadtrat, mit 34 saß sie im Parlament. Doch nur ein Jahr später, 1990, legte sie ihr Mandat nieder, um Theodore Angelopoulos zu heiraten, einen der reichsten Industriellen Griechenlands.

Sie bekam zwei Söhne und eine Tochter und managte von London aus seine Reederei. Als Athoc-Chefin kann sie sich, indem sie ehrenamtlich arbeitet und sich sogar den Dienstwagen selbst zahlt, ein positives Image ebenso locker leisten wie die teuren Zigarren, die sie gern und oft pafft. Ihr Prinzip? "Ich sage, was ich zu sagen habe, und bereite den nächsten Schritt vor. Viele Menschen interpretieren es falsch, wenn ich keine Zeit zum Lächeln und für schöne Worte habe. Ich bin wirklich nie verärgert."

Griechenland ist mit den Wahlen im Frühjahr konservativ geworden, Olympia wird weiblicher, auf sechs Teilnehmer kommen vier Teilnehmerinnen (Österreich: 54 Herren, 20 Damen, na ja). Da klingt's nur logisch, dass zwei konservative Damen das Sagen haben, Angelopoulos-Daskalaki und Dora Bakoyannis, die Bürgermeisterin Athens. Beider Namen fallen, wenn die Rede auf die 2005 fällige griechische Präsidentenwahl kommt. "Ich habe bei meinem Rücktritt als Abgeordnete kundgetan, dass ich bereit bin, wenn mein Land mich braucht", sagt Angelopoulos-Daskalaki, "das gilt weiterhin."

Über den Erfolg der Spiele entscheidet, da hat die Athoc-Chefin schon Recht, die Spanne zwischen Eröffnungs- und Schlussfeier. Abgerechnet wird wohl erst viel später. (DER STANDARD, Printausgabe, 10.08.2004)

Von Fritz Neumann
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    Gianna Angelopoulos-Daskalaki
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    ...beim Entzünden des Olympischen Feuers
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