Italiens grünes Herz und die Stadt auf dem Fels

6. Juni 2003, 13:58
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Assisi zwei Jahre nach dem großen Beben: Gerüstet für das Jahr 2000

Die Basilika des Heiligen Franz fast in Schutt und Asche, weltberühmte Trecento-Fresken, auch welche von Giotto und Cimabue, vernichtet, eine der geistigen Geburtsstätten des modernen Europa beinahe dem Erdboden gleichgemacht: Viel schlimmer hätte es beim Beben September 1997 nicht mehr kommen dürfen. Indes: Bald soll vieles wieder sein wie früher, Restauratoren und Bauarbeiter werken im Akkord. Denn Italien rüstet für das "Heilige Jahr 2000".

Zwei Jahre nach der Naturkatastrophe ist auch Assisi gerüstet - eingerüstet. Fast alle wichtigen Bauten sind noch in restauro, die Oberkirche von San Franceso etwa ist immer noch geschlossen. Wenn sie im November wieder eröffnet wird, werden die Deckenfresken fehlen. Sie sind herabgestürzt und zerschellt, die Rekonstruktionsarbeiten haben bisher kein zufrieden stellendes Ergebnis erbracht. In der Unterkirche hingegen drängen sich die Touris schon wieder, und wir haben auch ein wenig mit gedrängt. Zumindest dann, als wir durften. Denn es gibt ja Reisebegleiterinnen, die meinen, ein knappes Sommerkleidchen sei die richtige Adjustierung für einen Ort wie diesen. Also, Wolfgang: Danke für die (Z)weit-Hose, mit Gürtel hat sie dann doch irgendwie gehalten auf zartem, schlankem Frauenkörper.

Baustelle ist die prächtige, auf den hochaufragenden Fels gebaute Kommune von hier bis Santa Chiara, der Basilika von Franzens Wegbegleiterin, am anderen Ende der Stadt. Doch die messingbesetzten Gerüste, die so manches Haus zusammenhalten, gewinnen jeden Designwettbewerb. Und es geht auch schon wieder ohne. Santa Maria degli Angeli unten in der Ebene beispielsweise wurde Anfang August wieder geöffnet.

Zurück nach Assisi: Die Cafés und Restaurants rund um den Minervatempel, auf der Piazza del Comune, laden längst wieder zum Verweilen, auch wenn es mitunter noch ein bisschen laut hergehen kann - die Bauarbeiter am Palazzo dei Priori haben wir kurzfristig gar nicht gemocht. Schwamm drüber, denn einen Ort der Stille haben wir doch gefunden und dort zu Viert Quartier bezogen.

Fonticchio di Sopra heißt dieses alte Steinhaus, mitten in Umbriens Pampa, nahe Preggio. Drei Appartements werden vermietet, rundherum gibt's Olivenhaine, der Pool fasst Wasser aus der Quelle, und das Lauteste sind hier die Insekten. Perugia ist nicht weit weg, Gubbio auch nicht, überm Berg liegt der Trasimenersee. Dann wären da noch Prosciutto, Pasta, Trüffel, Wein zu nennen. Und das Bergdörfchen Montone. Ein Muss.

Andreas Stockinger

© DER STANDARD, 3. September 1999

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