Männerdomäne Sport

1. September 2004, 12:00
2 Postings

Athen 2004: Die Teilnahme von Frauen ist mittlerweile auf 40 Prozent angewachsen

Athen - Frauen müssen bei den Olympischen Spielen in Griechenland nicht mehr befürchten, als unerwünschte Personen vom Felsen gestoßen zu werden. Dieses Schicksal drohte in der Antike Ehegattinnen, die bei Wettkämpfen zuschauten. In Athen 2004 wird das weibliche Geschlecht weitere Steine, die ihm im Kampf um die Gleichberechtigung in den Weg gelegt wurden, beiseite räumen: Erstmals wird es sich im Ringen und Säbelfechten messen.

Für das Weltereignis fitgemacht wurde Athen von zwei "Powerfrauen": Organisationschefin Gianna Angelopoulos-Daskalaki und Dora Bakoyannis, der ersten Bürgermeisterin in der 3000 Jahre alten Geschichte der Stadt. Doch die Strippenzieher hinter den Kulissen der Sportmaschinerie sind fast immer noch männlich.

Unerreichte Resolution

Bei der Weltkonferenz "Frauen im Sport" im März in Marrakesch/Marokko verabschiedeten die TeilnehmerInnen wie schon acht Jahre zuvor eine Resolution, wonach mindestens 20 Prozent Frauen in allen Gremien des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) sowie der nationalen und internationalen Verbände mitarbeiten sollen. Doch nach wie vor sind es nur etwa acht Prozent. Wie in der Arbeitswelt tut sich der Sport schwer, Führungspositionen an Frauen zu vergeben.

Vizepräsidentin wahrscheinlich

Von den 112 Mitgliedern des IOC sind nur 12 weiblich, an der Spitze der mächtigen Dachorganisation haben bisher nur "Herren der Ringe" das Sagen. Immerhin soll die Schwedin Gunilla Lindberg Nachfolgerin von Thomas Bach als Vizepräsidentin werden - sie wäre die zweite in der Geschichte des IOC nach der Amerikanerin Anita Defrantz.

Zahl der Sportlerinnen nimmt zu

Immerhin hat der Anteil von Sportlerinnen bei Sommerspielen in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr zugenommen: Noch 1988 in Seoul waren nur ein Viertel der Olympia-TeilnehmerInnen weiblich. In Athen stellen die 4.200 Frauen 40 Prozent der TeilnehmerInnen. Österreich ist mit 54 Herren bzw. 20 Frauen in der griechischen Metropole vertreten.

Aber auch vor diesen Spielen protestiert die Bewegung "Atlanta, Sydney, Athen plus" dagegen, dass immer noch ein halbes Dutzend Nationen angekündigt hat, nur Männer für die Wettbewerbe zu melden. Für Frauen und Mädchen aus islamistischen Staaten ist schon die Sportbekleidung ein riesiges Problem. Wer sich aus religiösen Gründen verschleiert in der Öffentlichkeit bewegt, wird kaum im Bikini vor Fernsehkameras - und damit vor den Augen der Welt - Volleyball spielen.

Lesbische "Grand-Dame"

Die "Spielwiese" unter den fünf Ringen verdeutlicht auch die unterschiedlichen Fortschritte in der Emanzipation. So gibt mit der 47-jährigen Tennisspielerin Martina Navratilova (USA) eine "Grande Dame" ihr Olympia-Debüt, die sich als erster weiblicher Sportstar als homosexuell geoutet hat.

Frauenfußball

1984 in Los Angeles gab es für die Langstreckenläuferinnen erstmals einen Marathon, erst 1996 in Atlanta wurde Frauen-Fußball olympisch. Die Protagonistinnen mussten wie in kaum einer anderen Sportart gegen Vorurteile ankämpfen. Bis auf Boxen herrscht heute Gleichberechtigung, doch ist auch unter Frauen der Faustkampf umstritten.

Im Kugelstoßen kehren die Frauen mit ihrem Wettkampf am 18. August im heiligen Hain von Olympia an die Ursprungsstätte der Spiele zurück, wo sie früher am Liebsten als Prostituierte gesehen wurden. Jeder verheirateten Frau, die es wagte, "die Spiele durch ihre Gegenwart zu entweihen", drohte die Todesstrafe. Aber nicht nur das weibliche Geschlecht muss im Zeichen der olympischen Ringe um Gleichberechtigung kämpfen. Der amerikanische Synchronschwimmer Bill May darf nicht im "gemischten Doppel" mit Kristina Lum antreten: Dieser Sport bleibt Frauensache. (APA/dpa)

Share if you care.