Diskussion über Kondomautomaten an Kärntner Schulen

15. Dezember 2004, 18:16
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Was in einigen Ländern schon Realität ist, wird nun auch in Österreich diskutiert. Bessere Prävention an Schulen soll helfen, neue HIV-Infektionen zu vermeiden

Die weiterhin im Steigen befindliche Zahl der Aids-Erkrankungen nimmt der Vizepräsident des Landesschulrates für Kärnten, Altersberger, zum Anlass, präventive Projekte an den Schulen zu fordern. Er könne sich unter Anderem vorstellen, in den Schulen Kondomautomaten aufzustellen, erklärte Altersberger am Samstag.

Begleitende Maßnahmen

"Wir können nicht die Augen vor Aids verschließen und von den Jugendlichen eine Leben ohne sexuelle Kontakte erwarten", stellte Altersberger fest. Mit dem Aufstellen von Kondomautomaten allein werde es zwar allein nicht getan sein, aber dies wäre als "begleitende Maßnahme" sinnvoll.

Pilotprojekt prüfen

Altersbergers Vorstoß wird von Gesundheitsreferent LHStv. Ambrozy begrüßt. "Das ist prinzipiell nicht schlecht", erklärte er auf Anfrage. "Man sollte alles tun, damit die Jugend keinen Schaden durch die Gefahren der zwischenmenschlichen Beziehungen erleidet." Auch die Aids-Hilfe steht zu diesem Vorschlag. "Wir schlagen ein Pilotprojekt an einer Schule vor, um herauszufinden, wie hoch die Akzeptanz eigentlich ist", sagte Geschäftsführer Günther Nagele auf Anfrage.

Gute Aufklärung

Schulreferent Landeshauptmann Haider sieht hingegen keine Notwendigkeit für die Aufstellung von Kondomautomaten. "Die Kärntner Schüler sind gut aufgeklärt, um zu wissen, welche Gefahren drohen", erklärte er gegenüber der APA.

Internationale Vorbilder

Die österreichischen Pläne sind in manchen Ländern schon Wirklichkeit - wenn auch nicht ohne Problemen bei der Umsetzung. In Frankreich wird die Verordnung aus dem Jahr 2001, die das Aufstellen von Kondomautomaten an Schulen anordnet, von vielen Schulen systematisch unterlaufen. Entweder werden gar keine Automaten bestellt, oder die Verantwortlichen "vergessen", für Nachschub zu sorgen, wenn der Automat leer ist. Eine konfessionelle Privatschule entschied sich sogar dafür, die Automaten wieder zu entfernen, nachdem aus dem Vatikan Kritik laut wurde.

Konservative Kritik

In einigen deutschen Städten ist man einen Schritt weiter. Als erster Berliner Bezirk rüstet Charlottenburg-Wilmersdorf im kommenden Schuljahr vier Schulen und zwei Jugendfreizeiteinrichtungen mit Kondomautomaten aus. In Hamburg wurde der Vorschlag, in allen höheren Schulen Automaten aufzustellen, nicht einheitlich positiv aufgenommen. Nicht nur LehrervertreterInnen sondern auch die SchülerInnen selbst hatten teilweise Bedenken.

Als Gegenargument wurde angeführt, dass die SchülerInnen sich aus Angst vor Verspottungen sowieso nicht trauen würden, Kondome am Schulhof zu kaufen. Konservativ reagierten einige LehrerInnen, die das Aufstellen von Automaten mit dem Argument verhindern wollten, dass Kondome die Jugendlichen ja nur zum Sex "anstiften" würden. (az)

  • Der "König" der Kondomautomaten, Ferry Ebert, vor seinen Geräten
    bild:ferry ebert

    Der "König" der Kondomautomaten, Ferry Ebert, vor seinen Geräten

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