Amerika liegt im Herzen Europas

21. März 2007, 16:50
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In der Mitte Europas ermöglicht die Graduate School of Business an der Budapester Central European University den Erwerb eines amerikanischen MBA

Wien/Budapest - "Ich erwarte, dass der Markt für uns wachsen wird", sagt Chris Dalton. Als MBA-Director an der Central European University in Budapest - genauer: deren Graduate School of Business (GSB) - ist er nach der EU- Osterweiterung optimistisch. "In manchen EU-Ländern, wie zum Beispiel in Großbritannien, gibt es heute schon zu viele verschiedene MBA-Programme", so Dalton. In Österreich und Deutschland sei das aber noch nicht so, deshalb wolle man "da hinein".

Die Chancen, Österreicher zum Studium in der ungarischen Hauptstadt zu bewegen, stehen derweil nicht schlecht, schließlich investiert die CEU einiges in die Idee und deren möglichst ansprechende Umsetzbarkeit. So wurde ein "Weekend-MBA" geschaffen: Leute, die in und um Wien arbeiten, können nun jedes dritte Wochenende ihrem Studium in Budapest nachgehen.

Do the American Way

Das Studienangebot selbst ist dabei ein Thema für sich: Die GSB bietet einen amerikanischen MBA. Da das MBA-Studium in den USA traditionellerweise zwei Jahre dauere und es normal sei, sich für die Full-Time-Ausbildung eine berufliche Auszeit zu nehmen, musste man eine Anpassung an europäische Maßstäbe vornehmen. Dalton: "Unser Programm ist inhaltlich dem amerikanischen nachempfunden, aber wir haben den Stoff in einem Jahr untergebracht." Vollzeit, versteht sich.

Um beim Keilen von österreichischen Studenten nicht ganz auf sich allein gestellt zu sein, ging die GSB eine Kooperation mit der Universität Wien ein. Michael Plankensteiner von Unitrain, dem Career-Center der Wiener Uni: "Wir motivieren Studierende dazu, ihren MBA in Budapest zu machen." Den amerikanischen Abschluss bekomme man dort einfach billiger, als wenn man über den großen Teich müsste. Die Jobchancen seien auch nicht zu unterschätzen. Plankensteiner: "Unternehmer, die die CEU kennen - vor allem in Verbindung mit deren Mitbegründer George Soros (siehe Info) - wissen, was sie bekommen." Die Absolventen würden im Übrigen seit letztem Jahr von Unitrain direkt an österreichische Betriebe vermittelt.

Aber auch sonst pflegt die GSB gute Kontakte. "Es gibt Studentenaustauschabkommen mit neun Universitäten", erzählt Chris Dalton, "darunter auch zwei nordamerikanische: Cleveland und Toronto." Die restlichen sieben sind in EU-Staaten, wobei man auch an der Knüpfung von Netzwerken in Ost- und Südosteuropa arbeite. Dalton: "Unsere Studenten schauen zwar vor allem nach Westen, wir möchten jedoch möglichst beide Seiten verbinden."

Doppelt hält besser

Dass, wer den europäischen Weg bevorzugt, an der GSB nicht falsch ist, sieht man in einem speziellen Programm: Das IMM ("International Masters in Management") wird gemeinsam mit der Purdue University im US-Bundesstaat Indiana, mit der niederländischen Tias Business School und der European School of Management in Frankreich veranstaltet. Das Besondere: IMM bietet die Möglichkeit, gleichzeitig mit dem amerikanischen und dem europäischen MBA abzuschließen. (Der Standard, Printausgabe 7.8./8.8.2004)

Von Bernhard Madlener

Info

www.gsb.ceu.hu

www.unitrain.at
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