Aktien aus Lateinamerika: Chili fürs Portfolio

17. September 2004, 16:53
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Lange hat in Lateinamerika eine Krise die nächste gejagt. Tausende von Anlegern standen vor den Trümmern ihrer Portfolios - Jetzt scheint sich die Lage allerdings massiv zu bessern

Wien - Will Landers, Fondsmanager des MLIIF Latin America Fund, ist überzeugt: "Wir sind zumindest in den nächsten Quartalen sehr positiv gegenüber Lateinamerika eingestellt." So erscheinen die Aktienbewertungen in der Region im historischen Vergleich noch immer günstig.

Das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), das als Indikator für die Preiswürdigkeit einer Aktie gilt, liegt trotz der starken Kursanstiege des vergangenen Jahres noch immer unter den KGVs anderer Schwellenländer und denen der entwickelten Volkswirtschaften.

Vor diesem Hintergrund eröffnen die jüngsten Kursverluste attraktive Anlagemöglichkeiten. Vor allem die brasilianische Wirtschaft, ein Schwergewicht in Lateinamerika, zeigt starke Zeichen selbst tragenden Wachstums und profitiert von der Reduktion der Zinsen um zehn Prozent.

Strenge Haushaltsdisziplin

Außerdem, so Landers, hat die Regierung des anfangs von der internationalen Finanzwelt geschmähten Präsidenten da Silva alias "Lula" eine strenge Haushaltsdisziplin eingehalten. "Der Handelsüberschuss steigt weiter, und die Inflationsrate bleibt unter Kontrolle", betont Landers.

Diese Fakten, gepaart mit attraktiven Bewertungen der Aktien, machen das Land für Anleger interessant, so der Fondsmanager. Zusätzliche Impulse für die Region gehen von Mexiko aus: "Zwar haben die Aktien dort während der vergangenen Monate schon kräftig zugelegt, doch wirkt der Aufschwung in den USA wie Viagra für die mexikanische Wirtschaft und seine Aktien," beschreibt der Fondsmanager das Umfeld.

In anderen lateinamerikanischen Ländern wie Chile, Peru, Venezuela oder Argentinien finden sich eher selten attraktive Anlagemöglichkeiten. Die Bewegungen dort sind oft relativ hoch, oder den Börsen mangelt es an der nötigen Liquidität.

Insgesamt sollte jedoch eine relativ stabile Erholung der Weltwirtschaft die Märkte Lateinamerikas weiter fördern, sehen Anleger doch inzwischen ein geringeres Risiko bei Investitionen in Schwellenländern.

Wachstum in Asien erhöht Nachfrage nach Rohstoffen

Und das starke Wachstum, vor allem in Asien, erhöht die Nachfrage nach Rohstoffen, was den zahlreichen lateinamerikanischen Erzeugern besonders zugute kommt. Aufgrund dieser Entwicklungen und Konsolidierungen gibt es gute Gelegenheiten für Investoren. Die Aussichten für den Kontinent sind langfristig günstig, meint Landers.

Ähnlich positiv ist Jules Mort, Manager des Threadneedle Latin America Growth Fund, gestimmt, allerdings mit leichten Einschränkungen: Im Verlauf des vergangenen Jahres wurde Mexiko zuversichtlich beurteilt, für Brasilien war man jedoch zurückhaltender.

Der Threadneedle-Experte meinte damals, dass dort die positiven Faktoren übertrieben und die Risiken unterschätzt wurden. Zu diesen zählen, so Mort, die politische Entwicklung - die 18-monatige Schonzeit für Lula ist nun zu Ende, und seine Beziehung zum Kongress ist nun durch die in Brasilien üblichen Zänkereien und gegenseitigen Vorwürfe geprägt.

Verändert hat sich jedoch, das Bewertungsniveau: Die zuletzt heftigen Verkäufe haben die stark gestiegenen Aktienkurse wieder gedrückt. (Reinhard Kremer/DER STANDARD Printausgabe, 09.08.2004)

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    Aktien aus Brasilien und Mexiko geben dem Portfolio Schärfe: Empfohlen werden Rohstoffaktien.

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